Viele kleinere Firmen haben noch nicht umgestellt: Neue Bilanzregeln ändern oft den Gewinn

Viele kleinere Firmen haben noch nicht umgestellt
Neue Bilanzregeln ändern oft den Gewinn

Erstmals müssen im ersten Quartal 2005 sämtliche börsennotierten Unternehmen Europas ihr Zahlenwerk nach den internationalen Standards IFRS präsentieren. Das könnte vor allem bei mittleren und kleineren Unternehmen zu Überraschungen führen. Viele von ihnen haben die Umstellung bis jetzt noch nicht vorgenommen, ergab eine Studie von Pricewaterhouse Coopers.

HB DÜSSELDORF. Die neuen Regeln bewerten viele Posten neu. Das kann zu kräftigen Gewinnsprüngen oder auch -einbrüchen führen. Auch Schwergewichte wie die Deutsche Telekom werden stark veränderte Zahlen vorlegen.

Ziel der neuen Standards ist es, Gewinne und Verluste zeitnäher in der Periode wiederzugeben, in der sie entstanden sind, und außerdem die Posten nach ihrem Marktwert zu bilanzieren. Das soll die wirtschaftliche Lage der Unternehmen transparenter machen. Das neue Rechnungslegungssystem führt zu wesentlichen Änderungen: Zum einen wird der Aufpreis bei Firmenübernahmen (Goodwill) nicht mehr abgeschrieben, sondern bleibt als fester Wert in der Bilanz stehen. Das lässt den Gewinn optisch größer erscheinen. Gewinnverringernd wirkt dagegen eine vorsichtigere Bewertung der Pensionsverpflichtungen. Die neuen Regeln berücksichtigen die jeweils verdienten Pensionsansprüche und zudem noch die bis zum Eintritt des Versorgungsfalles zu erwartenden Gehaltssteigerungen der Mitarbeiter eines Unternehmens. Das erfordert meist einen deutlich höheren Aufwand.

Auf Analysten kommt jetzt jede Menge Arbeit zu. Bei der Deutschen Telekom etwa, die ab dem nächsten Quartal umstellt, wäre der Gewinn 2003 ohne Goodwill-Abschreibungen um 1,9 Mrd. Euro höher ausgefallen. Dazu kommt noch eine Reihe weiterer Änderungen. Doch die Mühe lohnt sich, sagt Wertpapieranalyst Stefan Borscheid von der WestLB: „Die Umstellung macht jetzt endlich europäische Unternehmen vergleichbar.“ Der Eon-Konzern etwa musste bei der Umstellung auf internationale Standards 750 Mill. D-Mark zusätzlich auf die Seite legen. Für die Renten der Mitarbeiter musste er deutlich mehr Rückstellungen bilden. Vor allem traditionelle Industriekonzerne müssen hier oft größere Korrekturen vornehmen.

Wie sich die Veränderungen insgesamt auf die Gewinne auswirken werden, ist noch unklar. Wertpapieranalyst Michael Köhler von der Landesbank Rheinland Pfalz schätzt, dass allein die Abschaffung der Goodwill- Abschreibung die Gewinne der Dax-Unternehmen um zehn bis 15 Prozent erhöht. Gewinnschmälernde Effekte wie etwa die neue Berechnung der Pensionslasten dürften das Niveau aber wieder so weit drücken, dass sich die Effekte gegenseitig aufheben, erwartet der Präsident des Deutschen Standardisierungsrats, Klaus Pohle.

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