Volatilität auf Rekordhöhe
Mit Turbulenzen in die neue Woche

Die Investoren an den internationalen Finanzmärkten rüsten sich für eine weitere turbulente Woche. Der Volatilitätsindex VIX ist an den Terminmärkten in Chicago auf dem höchsten Stand seit 13 Monaten gestiegen. Experten sind sich einig: Die Krise der Kreditmärkte ist bei den Aktien angekommen.

tor/mm NEW YORK/LONDON. Der VIX misst die erwarteten Schwankungen der im Börsenindex S&P 500 notierten Aktien. Stärkere Kursausschläge an den Börsen erhöhen das Risiko für die Anleger und lassen die Risikoprämien weiter ansteigen. Der VIX ist seit Mai von 13 auf 22 gestiegen. Zum Vergleich: Während der weltweiten Finanzkrise 1998 stand der Index bei 44.

Die Neubewertung der Risiken drückte den Dow-Jones-Index in der vergangenen Woche um mehr als vier Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit mehr als vier Jahren. In Großbritannien musste der Leitindex FTSE-100 in der vergangenen Woche ebenfalls die heftigsten Verluste seit mehr als vier Jahren hinnehmen. Das Kursbarometer sackte um 5,6 Prozent ab. Viele Anleger fliehen in den sicheren Hafen amerikanischer Staatsanleihen. „Das wird so weitergehen, bis die Talsohle auf den Aktien- und Kreditmärkte erreicht ist“, sagte Richard Gilhooly, Analyst bei der französischen Großbank BNP Paribas in New York der Nachrichtenagentur Bloomberg.

US-Finanzminister Hank Paulson sprach von einem „Weckruf“ der Investoren und einer „gesunden“ Korrektur. Auslöser für den Kurssturz war die Eiszeit auf den Kreditmärkten. Banken konnten für die Übernahme des US-Autobauer Chrysler und der britischen Drogeriekette Alliance Boots die Finanzierungen nicht an den Märkten unterbringen. Dazu kommt die seit Monaten steigende Nervosität angesichts der „Subprime“-Krise auf dem amerikanischen Hypothekenmarkt.

In einem Punkt sind sich die Experten einig, die Krise an den Kreditmärkten hat endgültig auch die Aktienbörsen erreicht. Bislang profitierte der britische Aktienmarkt – wie andere Börsen auch – von der anhaltenden Übernahmephantasie. Doch seit die Finanzierung einiger großer Transaktionen in Schwierigkeiten geriet, weil die deutlich vorsichtiger agierenden Investoren nicht mehr bereit sind, den Banken die nötigen Kredite und Anleihen abzukaufen, ist die Phantasie verflogen. „Der Markt für Übernahmefinanzierungen ist derzeit praktisch geschlossen“, klagte ein Londoner Investmentbanker. Experten ziehen bereits Parallelen zum Ende des Private-Equity-Booms in den achtziger Jahren.

Zu den Leidtragenden der Börsenflaute gehört auch Blackstone. Die Private-Equity-Firma war im Juni an die Börse gegangen, der Kurs ist seitdem jedoch um 22 Prozent gefallen. Damit ist Blackstone der am schlechtesten gestartete Börsendebütant in diesem Jahr. An der Wall Street wachsen deshalb die Zweifel, ob der Konkurrent Kohlberg Kravis Roberts & Co an seinen Börsenplänen für den Herbst festhalten kann.

Nach Schätzungen aus Finanzkreisen könnten die Investmentbanken nach den jüngsten Turbulenzen bereits auf 40 Mrd. Dollar Schulden sitzen, die sie eigentlich über den Kapitalmarkt weiterverkaufen wollten. Analysten beziffern das Volumen der weltweit noch offenen Übernahmefinanzierungen auf rund 300 Mrd. Dollar. In Folge der Turbulenzen musste der Süßwarenkonzern Cadbury Schweppes den sieben Mrd. Pfund schweren Verkauf seiner US-Getränkesparte absagen. Banker befürchten, dass andere geplante Verkäufe ebenfalls in Schwierigkeiten geraten könnten. Dazu zählen die Auktionen für den Medienkonzern Virgin Media und den geplanten Verkauf der beiden Marken Land Rover und Jaguar durch den US-Autobauer Ford.

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