Volcker-Regel
Wie Goldman Sachs das Eigenhandelsverbot umgeht

Im Zuge der Finanzkrise wurden in den USA die Regel für den Eigenhandel der Banken verschärft. Das Skandalinstitut Goldman Sachs scheint diese entgegen den Aussagen seines Chefs nicht ganz so ernst zu nehmen.
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Das Gedächtnis mancher Bankmanager hält nicht lange vor. Erst im Juli erklärte Lloyd C. Blankfein, Chef der US- Großbank Goldman Sachs, dass sein Unternehmen keine eigenen Gelder mehr nutze, um Wetten im Namen der Bank einzugehen.

“Wir haben diese Aktivitäten eingestellt”, versprach Blankfein an jenem Tag vor 400 Leuten bei einem Mittagessen, das vom Economic Club of Washington organisiert worden war. Nach seinen Worten soll die Bank keine Eigenhändler mehr beschäftigen, “die einfach Risiken nach eigenem Ermessen eingehen” und nicht mit Kunden interagieren.

Diese Aussagen dürften für die Mitarbeiter der geheimen Goldman-Sparte “Multi-Strategy Investing” (MSI) wohl eine Überraschung gewesen sein. MSI wettet mit rund einer Milliarde Dollar von Goldman Sachs auf Aktien und Anleihen von Firmen wie Zementherstellern und Hypothekendienstleistern. Das zeigen Interviews mit mehr als 20 Leuten, die für die Sparte oder mit der Sparte gearbeitet haben, die der Nachrichtenagentur Bloomberg vorliegen. Einige der Aussteiger arbeiteten noch 2012 für das Unternehmen. Ihren Angaben zufolge verfügt die Sparte, die von zwei Princeton- Absolventen geführt wird, über keine Kunden.

Das Überleben des Teams zeigt, wie Goldman sich um neue aufsichtsrechtliche Vorgaben zur Begrenzung von Eigenhandels-Wetten bei Banken herumgearbeitet hat. Eine Passage der US- Finanzmarktreform “Dodd-Frank Act” aus dem Jahr 2010 schiebt kurzfristigen Investments, die mit dem eigenen Geld der Bank eingegangen werden, eigentlich mehr oder weniger einen Riegel vor. Damit sollen übergroße Risiken und eine Wiederholung der Finanzkrise verhindert werden.

Nicht verboten werden durch die neuen Gesetze allerdings langfristige Wetten. Das lässt Hintertüren offen für andere risikoreichere Investments, sagte Matthew Richardson, der an der New York University Volkswirtschaft lehrt. Wetten, die sich über Monate hinziehen, könnten auch schief gehen: “Aus der Systemrisiko-Perspektive sind es wirklich gerade die langfristigen Investments, die ein Problem darstellen.”

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  • Viel einfacher wäre eine Zockersteuer von weiteren 50% auf diese Gewinne, nicht verrechenbar mit den Verlusten...

  • @FatFinger
    Sie haben recht. Unter den Banken gibt es auch weiße Schafe.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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