Vor 2006 erwarten Analysten keine Neuemission
Deutsche Fußball-Klubs bleiben der Börse fern

Mit einem neuen Zuschauerrekord ist am vergangenen Samstag die 41. Saison der Fußball-Bundesliga zu Ende gegangen. An der Börse ist der neue Fußball-Boom allerdings vorbei gegangen. Nach wie vor ist Borussia Dortmund als einziger Bundesligist börsennotiert. Den nächsten Börsengang erwarten Analysten frühestens zur Fußball-WM 2006.

FRANKFURT/M. Die Skepsis der Vereine ist berechtigt. Das Dortmunder Beispiel schreckt sie ab. Im Oktober 2000 brachte der Verein die BVB-Aktie an die Börse und seither ging es mit dem Papier stetig Berg ab. Anfang des Jahres folgte dann der „Gau mit Ansage“, wie Analyst Peter-Thilo Hasler von der Hypo-Vereinsbank (HVB) in einer Studie schreibt. „Die Fixkosten drohten den Verein geradezu aufzufressen“, sagt Hasler mit Blick auf horrende Gehaltssummen und hohe Spieler-Abschreibungen. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet die Hypo-Vereinsbank für Borussia Dortmund einen Fehlbetrag von 67,9 Mill. Euro. „Bei dieser Kostenbasis sehe ich mittelfristig keine Chance für die Aktie“, sagt Hasler. Der faire Wert liege bei 2,60 Euro.

Hasler ist aber davon überzeugt, dass sich Fußballklubs grundsätzlich an der Börse behaupten können. „Ein Börsengang ist auch für Sportvereine eine gute Finanzierungsquelle“, sagt der Analyst. Voraussetzung seien jedoch langfristige Erfolge, eine Kontinuität in der sportlichen Leitung und der Aufbau eines Markennamens.

Ein idealer Kandidat für eine Emission wäre somit Rekordmeister Bayern München. „Das ist das deutsche Fußballunternehmen, dem wir am ehesten einen erfolgreichen Börsengang zutrauen“, sagt Ingo Süßmilch, Experte für Neuemissionen bei der WGZ-Bank. Die Bayern-Führung hält davon jedoch nichts. „Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Fußball und Börse nicht zusammenpassen“, sagt Vorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Für Bayern ist ein Gang an den Kapitalmarkt aber auch nicht zwingend notwendig, finanzielle Sorgen hat der Klub keine.

"Auf Aktien ausländischer Spitzenvereine setzen"

Doch auch weniger wohlhabendeVereine wie Hertha BSC Berlin, Schalke 04 oder der Hamburger SV planen in naher Zukunft keinen Börsengang. „Vor 2006 wird das nichts“, sagt ein HSV-Sprecher stellvertretend für die Liga-Konkurrenz. Frühestens zur Fußball-WM in Deutschland rechnet auch Süßmilch mit der nächstenAktienemission eines Bundesligisten. „Die Fußball-Euphorie wird bis dahin weiter gesteigert, mit jedem neuen Stadion nehmen Zuschauerzahlen und Begeisterung zu“, vermutet er. HVB-Analyst Hasler nennt noch einen anderen Grund, der Börsengänge ab 2006 wahrscheinlicher macht: „Mit der neuen Eigenkapitalrichtlinie Basel II wird die Finanzierung über Banken für die Vereine teurer. Der Kapitalmarkt ist spätestens dann eine gute Alternative.“

Überzeugte Anleger, die ihr Geld schon jetzt statt in teure Trikots in Fußball-Aktien stecken wollen, sollten bis dahin auf die Aktien ausländischer Spitzenvereine setzen. Aushängeschild in wirtschaftlicher Hinsicht ist Manchester United. Allein 2003 legte die Aktie der Briten um 130 % zu. „Daneben zeichneten sich Ajax Amsterdam und Bröndby Kopenhagen mit einer überdurchschnittlichen Kursentwicklung in den vergangenen 18 Monaten aus", sagt Süßmilch. Europaweit sind solche Börsenerfolge allerdings die Ausnahme: Von 33 Fußball-Aktien notieren lediglich sechs über ihrem Ausgabekurs.

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