Vor dem Zinsentscheid
Banken in der Eurozone vergeben weniger Kredite

Vor dem erwarteten Zinsentscheid steigt der Druck auf die EZB: Die Banken vergaben im April 1,8 Prozent weniger Darlehen als im Vorjahr. Immerhin ist die Kreditvergabe gegenüber Firmen weniger geschrumpft als zuletzt.
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Berlin/FrankfurtVor der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung im Juni sieht sich die EZB mit einer hartnäckigen Kreditklemme in Teilen der Euro-Zone konfrontiert. Insgesamt vergaben die Geldhäuser im April 1,8 Prozent weniger Darlehen als im Vorjahresmonat, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch mitteilte. Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich aber beim Blick auf die ausgereichten Firmenkredite: Sie schrumpften zum Vorjahr um 2,8 Prozent, im März waren es noch 3,0 Prozent. „Mit den April-Daten bleibt dennoch der Druck auf die EZB hoch, sich stärker bei der Anregung der Kreditvergabe zu engagieren“, sagte Johannes Mayr von der BayernLB.

Laut EZB-Direktor Yves Mersch hält die Zentralbank für die kommende Woche ein Bündel von Maßnahmen parat. Wie Reuters bereits von Insidern erfuhr, wird neben einer Senkung des Leitzinses von derzeit 0,25 Prozent auch erstmals ein Strafzins für Geld der Banken erwogen, das bei der EZB geparkt ist. Die Banken sollen damit dazu gebracht werden, ihre überschüssigen Mittel nicht mehr zu horten, sondern in die Kreditvergabe zu stecken. Zudem ist eine Geldspritze der EZB im Gespräch, die Finanzhäuser zielgerichtet zur Darlehensvergabe an Mittelständler nutzen sollen.

Zentralbank-Chef Mario Draghi hat jüngst auf der EZB-Konferenz im portugiesischen Sintra betont, dass die Kreditklemme in einigen Euro-Ländern das Wirtschaftswachstum hemme. So gehört etwa Portugal neben Italien zu den Ländern in der Euro-Zone, in denen es bei der Darlehensvergaben am stärksten hakt. Die EZB treibt zudem die Sorge um, dass eine zu lange Phase niedriger Inflation dazu führen könnte, dass Firmen und Verbraucher in Erwartung eines Preisverfalls Ausgaben und Investitionen aufschieben. Schlimmstenfalls könnte dies zu einer Deflation führen. Um dies zu verhindern, könnten „mehr vorbeugende Aktionen“ nötig werden, kündigte Draghi an.

Die BayernLB rechnet damit, dass die EZB die Banken noch länger mit üppiger Liquidität versorgt. So könnte sie den Geldinstituten gegen Sicherheiten noch bis Mitte 2016 so viele Mittel zukommen lassen, wie diese nachfragen. Bislang ist diese sogenannte Vollzuteilung nur bis Mitte des Jahres gesichert.

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag im April bei 0,8 Prozent, womit keine steigende Inflation zu erwarten ist. Fachleute hatten mit einem Anstieg um 1,1 Prozent gerechnet. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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