Wall-Street-Ausblick
Anleger hoffen auf Notenbank-Millionen

Die Bilanzsaison läuft an, doch das dürfte die Anleger an der Wall Street in der nächsten Woche nur beiläufig interessieren. Die Frage ist: Wird die US-Notenbank der größten Volkswirtschaft der Welt mit noch mehr Geld auf die Beine helfen? Egal, wie die Antwort ausfällt, sie wird Investoren - und Kurse - bewegen.
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HB NEW YORK. Trotz der anlaufenden Bilanzsaison bleiben die Märkte in den USA fest im Bann der Geldpolitik. Die Investoren dürften auch in der kommenden Woche darauf setzen, dass die US-Notenbank der größten Volkswirtschaft mit noch mehr Geld auf die Beine helfen wird. Die in Aussicht gestellte Liquidität heizt das Börsengeschäft an und wie schon am Freitag werden die Kurse damit weiter in die Höhe klettern.

"Die Märkte schwanken seit einiger Zeit zwischen makro- und mikroökonomischen Daten", sagt Brian Jacobson, Chef-Portfolio-Stratege bei Wells Fargo Funds Management. "Und die nächste Woche wird sich um die Makroökonomie drehen."

Anhaltend hohe Arbeitslosenzahlen in den USA geben genau das Signal, auf das die Notenbank Fed nach Einschätzung der Börsenhändler wartet: Die Konjunktur läuft in den letzten Wochen vor der Kongresswahl so schleppend, dass ein weiterer Eingriff der Geldpolitiker gerechtfertigt sei. Im November könnte die Fed beschließen, noch mehr Staatsanleihen zu kaufen und damit praktisch die Notenpresse am Laufen zu halten. Daten zu den Erzeuger- und Verbraucherpreisen geben am Donnerstag und Freitag Aufschluss darüber, wie viel Rücksicht sie dabei auf eine mögliche Inflation nehmen muss.

Selbst schlechte Nachrichten von den Unternehmen würden als Ausweis einer Sorgen erregenden Lage nur die Hoffnung auf eine weitere Geldflut in einem Umfang von bis zu 500 Mrd. Dollar festigen. "Wenn die Bilanzen oder die Konjunktur schlecht aussehen, dann werden wir das Geld bekommen", sagt John Praveen, Chef-Investmentstratege bei Prudential Investments Advisers in New Jersey.

Börsenschwergewichte wie Intel, Google oder General Electric legen am Dienstag, Donnerstag und Freitag ihre Berichte über den Geschäftsverlauf im vergangenen Quartal vor. Zudem macht die Großbank JPMorgan & Chase am Mittwoch den Aufschlag für den Finanzsektor. Der Technologiekonzern Intel hat bereits Ende August davor gewarnt, sein Umsatz werde nicht ganz den Erwartungen entsprechen.

Siemens-Konkurrent GE demonstrierte dagegen zuletzt Finanzkraft und hat nach der Krise damit begonnen, seinen Mischkonzern mit milliardenschweren Zu- und Verkäufen neu zu ordnen.

In der Bankenbranche erwarten die Experten diesmal keine allzu strahlenden Bilanzen: Die geringe Nachfrage nach Krediten aus der schwunglosen Wirtschaft und die niedrigen Zinsen auf das verliehene Geld dürften ihr Geschäft diesmal spürbar geschwächt haben. Aber Bankaktien sind derzeit relativ billig und wecken damit Interesse: Die meisten Institute werden unter ihrem Buchwert gehandelt. Historisch lag der Handelswert aber immer eher in der Nähe des doppelten Buchwerts.

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