Wall-Street-Ausblick
Anleger setzen auf die Trickkiste der Fed

Einmal mehr soll Fed-Chef Ben Bernanke den US-Aktienmärkten zum Glück verhelfen. Nach der besten Börsenwoche seit Anfang Juli blicken die Anleger hoffnungsvoll auf die US-Notenbank - und mit Sorge nach Europa.
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New YorkDie Entscheidungsträger der US-Notenbank Fed kommen am Dienstag und Mittwoch zu einem verlängerten Treffen zusammen. Der Federal Reserve traut die Wall Street zu, selbst nach ihrem Feuerwerk der Konjunkturhilfen doch noch ein neues Programm zur Stärkung der heimischen Wirtschaft aus dem Hut zaubern zu können. Nüchterner fällt dagegen der Blick über den Atlantik aus: Die Europäer müssten dafür sorgen, dass sie ihre Schuldenkrise wirklich in den Griff bekommen, hieß es in New York. Andernfalls kämen neue Ängste auf, die Schwierigkeiten der Euro-Zone könnten Wirtschaft und Finanzsysteme weltweit beschädigen.

Europa sei wirklich der größte Unsicherheitsfaktor, sagte Gail Dudack, Chefinvestment-Strategin der Dudack Research Group. Die europäische Schuldenkrise habe weiter das Potenzial, die US-Börsen auf Talfahrt zu schicken. Die Schwierigkeiten ähnelten der Finanzkrise von 2008. Probleme mit Staatsschulden seien allerdings viel schwerer zu lösen als solche mit Hypothekenschulden, sagte Dudack. Ihr Kollege Paul Mendelsohn sah während der Rally der vergangenen Woche denn auch die Macht des positiven Denkens am Werk. „Die Märkte haben versucht, sich selbst davon zu überzeugen, dass die europäische Angegenheit nicht außer Kontrolle geraten wird“, sagte der Investmentstratege von Windham Financial Service. Die kommende Woche werde aber klar von der Federal Reserve dominiert.

Die meisten in Politik und Wirtschaft erwarten, dass Fed-Chef Bernanke und seine Kollegen der Wirtschaft erneut unter die Arme greifen werden. Doch statt großer Geschütze rechnen Experten nun mit dem Einsatz kleinerer Waffen wie dem Umschichten des Fed-Portfolios: Die Notenbank würde den Schwerpunkt auf länger laufende Anleihen legen und dadurch die langfristigen Zinsen drücken.

„Das wichtigste Ereignis ist Bernanke“, fasste Joe Saluzzi von Themis Trading die Rolle des Fed-Chefs als Hoffnungsträger der kommenden Tage zusammen. Wenig Erwartungen habe er dagegen an die Zahlen vom Immobilien- und Arbeitsmarkt, die am Dienstag und Donnerstag erwartet werden. „Der Häusermarkt ist tot und wird es auch bleiben, von den Arbeitslosenzahlen verspreche ich mir auch nichts.“ Trotz der mauen Konjunktur haben die Unternehmen zuletzt immer noch ansehnliche Bilanzen präsentiert. Doch Analysten fürchten, dass dies sich unmittelbar ändern könnte, wenn die Finanzbranche den Schock einer Griechenland-Pleite verkraften müsste.

Neue Erkenntnisse über den Zustand der amerikanischen Wirtschaft versprechen sich die Anleger in der kommenden Woche auch von den FedEx -Zahlen. Der Paketdienst, der als Konjunkturbarometer gilt, legt seine Quartalsbilanz am Donnerstag vor. Am selben Tag gibt auch der Adidas-Rivale Nike Einblick in seine Bücher. Ihm vorauseilt schon der SAP -Konkurrent Oracle , der seine Zahlen am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Im Hinblick auf das kommende QE3 bis QE X plus die anstehende, und immer wieder hinausgeschobene Pleite der Griechen gibt's nur ein Fazit zur Erhaltung seines privaten Vermögens: Gold einlagern!

  • Die Tricks des FED sind hinlänglich bekannt: QE1-10. Neues Fiat-Geld für eine "positive Inflation" (Zitat Bernanke).
    "Die US-Industrie verfügt über eine Technologie namens Druckerpresse, mit der sie soviele Dollars drucken kann, wie sie will. .... Wir kommen zu dem Schluß, dass ein entschlossener Staat bei einem Papiergeld-System immer höhere Ausgaben und eine positive Inflation schaffen kann." Ben Bernanke am 21.11.2002.
    Jetzt frage ich mich, wer so einem Staat Geld leiht.

  • … denn sie wissen nicht, was sie tun (langfristig).

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