Wall-Street-Ausblick
Dow Jones-Rally droht Anfang vom Ende

Was bringt die neue Handelswoche den US-Börsen? Auch wenn es einige Anzeichen gibt, dass die Rally zum Jahresschluss weiter anhält, befürchten nicht nur Skeptiker, dass es mit den Gewinnen abrupt vorbei sein könnte. Es steht eine wahrlich stille Nacht ins Haus – Selbstzufriedenheit inklusive.
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HB NEW YORK. Zwei Wochen vor Weihnachten fragen sich die Anleger in New York, ob die traditionelle Jahresendrally ihren Höhepunkt bereits erreicht haben könnte. Viele hoffen zwar darauf, dass die jüngste Gewinnphase noch anhält. Doch Zweifler führen rückläufige Handelsvolumina, einen zuletzt übertriebenen Optimismus und die Statistiken aus nicht weniger als 65 Jahren an. Bei einer Jahresendrally habe der S&P zwischen dem amerikanischen Thanksgiving und Neujahr im Schnitt 3,4 Prozent zugelegt, sagt Cleveland Rueckert von Birinyi Associates. In diesem Jahr sei der Index in dem Zeitraum aber bereits um 3,5 Prozent gestiegen. „Viele Aktien haben dieses Jahr sehr große Gewinne verbucht“, fügt Rueckert hinzu. „Es würde mich nicht überraschen, wenn viele Manger Positionen glattstellen und ein bisschen Ferien machen.“

Langsam senkt sich also schon Stille auf das Parkett, wenn die US-Börsen am Montag in ihre letzte vollständige Handelswoche vor Weihnachten starten. Der Handel in der darauffolgenden Woche ist verkürzt, weil die Wall Street am Freitag, also Heiligabend, geschlossen bleibt. „Jetzt beginnt die Zeit, in der traditionell das Handelsvolumen deutlich abnimmt“, sagt Nicholas Colas, Chef-Marktstratege der New Yorker ConvergEx Group. „Es sieht so aus, als ob es etwas früher losgeht als sonst.“ Er rechne nicht mit einem großen Ausverkauf. Die Meinungen über den Zustand der US-Wirtschaft seien aber ziemlich eingefahren, fügt er hinzu.

In der Tat scheint sich bei den Investoren durch die jüngsten Gewinne eine gewisse Selbstzufriedenheit eingeschlichen zu haben: Das sogenannte Angst-Barometer der Wall Street, der CBOE Volatility Index, steht so tief wie schon seit April nicht mehr. Der Optimismus hatte dem S&P am Freitag den höchsten Schlussstand seit September 2008 und der Nasdaq seit Dezember 2007 beschert. Auf Wochensicht legte der S&P 1,3, die Nasdaq 1,8 und der Dow-Jones-Index der Standartwerte 0,2 Prozent zu.

In der kommenden Woche richten die Anleger ihren Blick vor allem auf die Inflation, über die sie sich Aufschluss aus den Erzeugerpreisen am Dienstag und den Verbraucherpreisen am Mittwoch erhoffen. Die zuletzt positiveren Konjunkturdaten könnten zudem eine Debatte darüber anheizen, wie lange die US-Notenbank Fed noch an ihrer extrem lockeren Geldpolitik durch Bondkäufe festhält. Mit Spannung beobachten die Investoren also die letzte Sitzung des entscheidenden Fed-Ausschusse in diesem Jahr, die für Dienstag angesetzt ist.

Mit wachsamen Augen verfolgen die Börsianer zudem die Steuergesetzgebung. Der Senat dürfte zwar am Dienstag einer Verlängerung der Steuererleichterungen aus der Bush-Ära zustimmen, doch der Weg durch das Repräsentantenhaus könnte schwieriger werden. Sollten die Pläne auf Widerstand stoßen und damit höhere Steuern auf Kapitalerträge und Dividenden fällig werden, drohen dem Aktienmarkt Abschläge.

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  • Was Wall Street momentan beflügelt, ist nicht Weihnachten, sondern Fluchtkapital aus Europa. Während der US-Weihnachtsrally sind deutsche bundesanleihen um 1% gefallen -- wegen der Euroschuldenkrise, nicht wegen Weihnachten.

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