Wall-Street-Ausblick
Hypothekenstreit rückt Finanztitel in den Fokus

Die Berichtssaison tritt an den US-Börsen in der kommenden Woche zumindest zeitweise in den Hintergrund. Zwar legen einige Großkonzerne und Finanzinstitute ihre Quartalszahlen vor, den Banken droht durch einen Hypothekenstreit jedoch das Platzen von Tausenden Zwangsversteigerungen – eine Nachricht, deren bloße Ankündigung bereits die Märkte in Unruhe versetzte.
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HB NEW YORK. Im Rampenlicht der Wall Street stehen in der kommenden Woche die Banken. Zum einen geben Branchengrößen wie Bank of America und Citigroup ihre Quartalszahlen bekannt. Doch vor allem wegen des Hypothekenstreits richten die Anleger ihren Blick auf die Geldhäuser, die durch das Debakel auch an der Börse weiter unter Druck geraten könnten. Nach dem Ende der Finanzkrise befürchten die Anleger neue Milliardenbelastungen für die Institute.

Schließlich leiteten alle 50 Bundesstaaten Untersuchungen ein, weil die Banken bei massenhaften Zwangsversteigerungen unzureichend Einzelfälle geprüft haben sollen. Schon am Freitag waren Finanzwerte in den Keller gerutscht; vor allem der Branchenprimus Bank of America wurde gebeutelt.

Die Debatte um möglicherweise voreilige Zwangsversteigerungen könnte auch den Häusermarkt belasten, sagte Marktstratege Kevin Caron von Stifel, Nicolaus & Co.

Potenzielle Käufer könnten vor zwangsversteigerten Objekten zurückschrecken. Die Bank of America gab bereits bekannt, dass wegen des umstrittenen Vorgehens wohl rund 30 000 Zwangsversteigerungen ausgesetzt werden.

Bankmanager müssen sich bei der Vorlage ihrer Quartalszahlen also auf kritische Fragen der Anleger gefasst machen. Die Geschäftsergebnisse der Finanzhäuser selbst sorgen für Nervosität unter den Anlegern. So wird von der Branche im dritten Quartal insgesamt zwar ein Gewinnplus von über 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erwartet. Doch in der vergangenen Woche wurden die Gewinnerprognosen für einige Banken zurückgeschraubt - am stärksten für Citigroup und Goldman Sachs. Citigroup legt am Montag Zahlen vor, Goldman Sachs wie auch Bank of America am Dienstag.

Für die kommende Woche sind auch die Quartalszahlen von Großkonzernen aus verschiedensten Branchen angekündigt, so dass die Anleger auf vielfältige Hinweise zum Zustand der US-Wirtschaft hoffen können. So präsentieren am Montag der iPhone-Hersteller Apple, am Dienstag der Pharmariese Johnson & Johnson und am Donnerstag der Bagger-Produzent Caterpillar Zahlen. Zum Start der Bilanzsaison sind die Ergebnisse bisher gemischt ausgefallen: Google übertraf die Erwartungen, General Electric verfehlte sie.

Auf der Konjunkturseite warten die US-Börsianer vor allem gespannt auf das für Mittwoch angekündigte Beige Book der Notenbank Federal Reserve. Zuvor schon haben sie sich für Montag die Industrieproduktion und für Dienstag die Wohnungsbaubeginne vorgemerkt.

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  • Sind die an die deutschen Landesbanken dubios verfügten bzw. verbrieften US-Hypotheken- Pakete, die u.a. in der HRE deponiert sind und für die der deutsche Steuerzahler bürgt, betreffs des originären US-Kreditnehmers eindeutig identifiziert?? Oder sind sie nicht identifizierbar und müssen daher die deutschen bürgschaften greifen, mit der Folge, dass in den USA betreffende Kreditnehmer aus "rechtlichen Gründen" ungeschoren bleiben? Will sagen,Deutschland war dann von vorne herein als "Zahlmeister" ausersehen, natürlich mit Hilfe der deutschen Verantwortlichen in Politik und Aufsichtsräten.Die nächsten Monate werden es an den Tag bringen.

  • bei beinahe allen Details der Subprime-Krise läßt sich bei Gelegenheit und passendem Rechtsrat vieles zum Problem aufblasen, was ansonsten als Nichtigkeit übergangen worden wäre und ist. Nun - gerade recht zu den Vorwahlen - haben wir den Salat: prächtig zubereitet von allen Medien einschließlich der unvermeidlichen tragischen Einzelschicksale dekoriert mit dem süßlichen betroffenheitssenf der Politiker. Es könnte sich um den sog. nichtlinearen Entwicklungssprung handeln, der (endlich!) den double dip auszulösen in der Lage sein könnte. Zumal er doch so schön zur Finanzwelt und den dort unter vielen dicken Decken verborgenen Problemen paßt.

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