Wall-Street-Ausblick: Japan und Libyen verunsichern Anleger

Wall-Street-Ausblick
Japan und Libyen verunsichern Anleger

Erdbeben in Japan, Revolution in Libyen: US-Anlegern schmeckt die derzeit global unruhige Lage überhaupt nicht. Gerade die Ölreserven der arabischen Welt stehen im Fokus. Zünglein an der Waage spielen Konjunkturdaten.
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New YorkDie Folgen des verheerenden Erdbebens in Japan und die anhaltenden Unruhen in der arabischen Welt dürften die Aufmerksamkeit der US-Anleger in der kommenden Woche auf sich ziehen. Die Häufung der weltbewegenden Ereignisse macht die Investoren besonders vorsichtig.

Nach den Umwälzungen in Tunesien und Ägypten sowie den Kämpfen in Libyen machen sich die Börsianer besonders Sorgen über die politische Lage in Saudi-Arabien, dem weltgrößten Ölexporteur. Sollte es dort zu ähnlichen Entwicklungen kommen, könnten die Ölpreise erheblich steigen, warnte Thomas Villalta von Jones Villalta Asset. „Ich denke, dann besteht die Möglichkeit einer weiteren Rezession.“ Die Wahrscheinlichkeit einer ähnlichen Eskalation der Proteste hält er jedoch für eher gering. Am Freitag verliefen die Demonstrationen im Königreich am Golf angesichts eines massiven Aufgebots der Sicherheitskräfte ruhiger als erwartet. Dennoch wächst die Sorge der Investoren, dass neue Proteste in Saudi-Arabien zu mehr Instabilität in der gesamten Region führen könnten.

Angesichts des Ölpreisanstiegs auf den höchsten Stand seit zweieinhalb Jahren fürchten die Anleger einen Dämpfer für die Wirtschaftserholung. Deswegen werden die Investoren in der kommenden Woche besonders aufmerksam verfolgen, ob die US-Notenbank Fed sich nach ihrer Strategiebesprechung am Dienstag zum Thema Energie äußern wird. Mit einer Leitzins-Erhöhung, wie sie EZB-Chef Jean-Claude Trichet für die Euro-Zone vor Kurzem überraschend andeutete, wird vorerst aber nicht gerechnet. Mit Spannung werden daneben neue Daten zur Inflation erwartet sowie aus dem Industriesektor. Auch der US-Erzeugerpreisindex und der Verbraucherpreisindex stehen an.

Die Schwäche des Marktes in der jüngsten Zeit nährte Spekulationen über eine Korrektur der Kurse, sagten Analysten.

Seit Anfang September waren die Indizes rasant gestiegen: Der breiter gefasste S&P-500 gewann in diesem Zeitraum insgesamt 24 Prozent. Angesichts der steigenden Ölpreise und der Sorge der Anleger um die gerade erst begonnene Wirtschaftserholung in den USA gaben die Indizes aber bereits nach. Zwar schloss die Wall Street am Freitag im Plus, im Gesamtverlauf der Woche gab es aber zum Teil erhebliche Verluste: Der S&P sank zeitweise unter den 50-tägigen Kursdurchschnitt und sogar unter die für Investoren bedeutende Trennlinie von 1275 Punkten.

Dies weist Börsianern zufolge darauf hin, dass der Leitindex an Dynamik verloren hat und der Aufschwung vorerst gebremst sein könnte. Wahrscheinlich werde der S&P in der nächsten Zeit noch weiter sinken, sagte Chris Burba von Standard & Poor's. Im Wochenvergleich sank der Dow um ein Prozent, der S&P um 1,3 Prozent und der Nasdaq um 2,5 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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