Wall-Street-Ausblick
US-Börsen zittern vor Kreditausfällen

In den USA ist wieder die Zeit der Quartalsbilanzen angebrochen. In der kommenden Woche stehen die ersten Bilanzen der Banken an. Es wird allgemein erwartet, dass eine neue Welle von Kreditausfällen die Finanzinstitute belastet. Doch zwischen den bangen Erwartungen bahnen sich auch optimistische Ausblicke ihren Weg.

HB NEW YORK/FRANKFURT. Zwei Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise steht die gebeutelte Bankenbranche vor der nächsten Welle an Belastungen: Nach Milliardenverlusten aus toxischen Wertpapieren drohen vor allem US-Banken nun Kreditausfälle in großem Stil. Mit Spannung erwarten Investoren wie stark dies bereits im zweiten Quartal ins Kontor geschlagen hat. In der kommenden Woche legen die ersten US-Institute ihre Ergebnisse vor. Einige Analysten rechnen dennoch damit, dass die Zahlen so gut sind wie seit Monaten nicht mehr - dem wieder aufkeimenden Geschäft im Investmentbanking sei dank.

"Die Banken sind noch lange nicht über den Berg, auch wenn es schon die ersten Lichtblicke gibt", sagt Michael Nix von Greenwood Capital. "Die Anleger werden jetzt darauf schauen, wie die Branche mit den massiv steigenden Kreditrisiken umgeht." Dabei geht es insbesondere um Zahlungsausfälle bei Kreditkarten. Aber auch Firmenkredite und Gewerbehypotheken standen zunehmend auf der Kippe.

Betroffen davon sind nach Ansicht von Analysten vor allem die Bank of America, die die Risikovorsorge für faule Kredite bereits im ersten Quartal um die Hälfte auf 13 Mrd. Dollar erhöht hatte. Aber auch die Citigroup und JPMorgan, beides führende Anbieter von Kreditkarten, kündigten bereits nach dem ersten Quartal an, sich auf steigende Kreditausfälle einzustellen. Immer mehr Amerikaner können ihre Kreditkartenrechnungen nicht mehr begleichen, denn täglich verlieren in den USA Tausende Menschen ihren Job. Die Arbeitslosenquote liegt dort inzwischen bei 9,5 Prozent - so hoch wie seit 26 Jahren nicht mehr.

Allzu düster werden die Quartalsbilanzen der meisten US-Großbanken nach Einschätzung von Analysten aber gar nicht ausfallen. Häuser, die ein Standbein im Investmentbanking haben, haben wohl erneut von dem Boom im Anleihegeschäft und anderer Handelsbereiche profitiert. Die Investmentbank Goldman Sachs, die mit der Vorlage ihrer Zahlen am Dienstag den Auftakt macht, fuhr damit im ersten Quartal schon hohe Erträge ein.

"Banken mit einem starken Kapitalmarkt- und Handelsgeschäft könnten erneut einen Schub im Ergebnis sehen", sagt ein Analyst. Auch die Deutsche Bank hat nach Einschätzung von Experten im zweiten Quartal von dem boomenden Geschäft mit Anleihen profitiert und wohl erneut einen Milliardengewinn eingefahren. Sie will ihre Zahlen Ende Juli vorlegen.

Analysten von Fox-Pitt Kelton rechen sogar damit, dass die Quartalsergebnisse der US-Banken so gut sind wie seit der Pleite von Lehman Brothers vor zehn Monaten nicht mehr. Damals hatte sich die Krise an den weltweiten Finanzmärkten dramatisch verschlimmert und zahlreiche Banken an den Rand des Ruins getrieben. Mehr als 50 Institute mussten in den USA allein in diesem Jahr ihre Pforten schließen. Nur staatliche Milliardenhilfen konnten das Finanzsystem vor dem Kollaps retten. Einige US-Banken haben die Staatsgelder bereits wieder zurückgezahlt.

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