Wall-Street-Ausblick
US-Investoren wagen Blick in die Zukunft

Das Jahr nähert sich dem Ende, Zeit für einen Blick in die Zukunft – auch an den US-Börsen. Die letzten Handelstage werfen ein erstes Licht auf den Markt im neuen Jahr. Es wird spannend: Wen werden die Investoren zu den potenziellen Siegern von morgen küren?
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HB NEW YORK. Die letzten Handelstage des Jahres werfen ein erstes Licht auf den Markt im neuen Jahr: Die Investoren an der Wall Street fangen langsam damit an, auf die Sieger 2011 zu wetten. Sie schichten vorsichtig so um, dass sie frühzeitig dabei sind, wenn es in bestimmten Bereichen wieder aufwärts gehen sollte. Zu den Kandidaten für ein gutes neues Jahr zählen nach Einschätzung von Händlern Werte von Industriekonzernen, die in den vergangenen Monaten wegen der europäischen Schuldenkrise aus den Augen geraten ist. Auch die schwer gebeutelte Finanzbranche könnte wieder attraktiver werden – vorausgesetzt es klärt sich langsam, wie stark die schärferen Regulierungsvorschriften das Geschäft der Großbanken beeinflusst.

Die Händler haben bereits in den vergangenen Wochen aufmerksam Anzeichen für solche Kehrtwenden beobachtet: Aktienkurse, die in diesem Jahr massive Zugewinne verzeichnet haben, geben langsam nach. Dies gilt als sicheres Signal dafür, dass die Investoren die Entwicklung für ausgereizt halten und auf andere Impulse setzen. Beispiele dafür sind Internet-Firmen wie Salesforce.com und Netflix: Aufs Jahr gesehen haben sie sich zwar um 85 und 226 Prozent verteuert, Salesforce-Aktien verloren diese Woche aber mehr als acht Prozent an Wert, Netflix-Anteile seit Anfang des Monats mehr als zwölf Prozent.

Mittelständische und kleinere Unternehmen haben die Großkonzerne an der Börse in diesem Jahr deutlich überrundet: Ihre Indizes stehen heute 24 Prozent höher, der S&P 500 hat gerade einmal die Hälfte geschafft. „Die Kluft in der Bewertung ist so groß, dass wir wahrscheinlich einen Wechsel zu den größeren Unternehmen erleben werden“, meint Bob Gorman von TD Wealth Management in Toronto. Neben Banken könnten auch Technologiewerte wieder stärker in den Blick rücken. Die hartnäckige Konjunkturskepsis in den USA hält ihre Aktienkurse seit Monaten im Zaum, obwohl sich die Branche sichtlich erholt.

Viele Investoren warten jedenfalls nur darauf, dass sich traditionelle, an den Einzelwerten orientierte Strategien wieder auszahlen. Es sei geradezu ungesund, in welchem Ausmaß die Zweifel an der US-Konjunktur und die europäische Schuldenkrise die Börse bestimmt habe, sagen Experten. Ausschläge beim Dollar oder Staatsanleihen hatten auf Einzelwerte häufig einen größeren Einfluss als Fundamentaldaten oder Geschäftsprognosen. „Egal, wie viel Mühe wir uns gegeben haben, die Guten von den Schlechten zu unterscheiden – der Gewinn, den wir damit gemacht haben, liegt weit unter dem üblichen Niveau“, sagt Charlie Blood von Brown Brothers Harriman in New York. Der starke Einfluss der Makroökonomie mache jede Möglichkeit zur Differenzierung unter den einzelnen Unternehmen zunichte, schimpft auch Nicholas Colas von ConvergEX Group. „Das muss sich ändern – das ist keine gesunde Entwicklung am Kapitalmarkt.

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  • Wenn alle Aktien gleichzeitig ansteigen, ist es zwar "keine gesunde Entwicklung" für Arbitrageure wie Herrn Colas, die ihr Geld an der Differenzierung verdienen, doch ist es umso besser für Einzelinvestoren, die nicht an Fonds gebunden sind. Auch die Geldspekulanten jammern übrigens genau wie Herr Colas, "weil die Entwicklungsländer alle gleich hohe bonität" haben und sie deshalb nicht an der Differenzierung verdienen können. Arme Spekulanten!

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