Wall-Street-Ausblick
US-Märkte lauern auf Konjunktursignale

Was kommt nach dem Ende der Rally? Nach mehr als einem Monat im Aufwind beendeten die US-Börsen die vergangene Woche mit einem klaren Minus. Die kommende Handelswoche steht im Zeichen der Wirtschaftsdaten. Die Märkte werden genau hinsehen, ob sie Erholungssignale entdecken können – und dazu zahlreiche Gelegenheiten bekommen.
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HB NEW YORK. Die Anleger an den US-Börsen hoffen in der kommenden Woche auf ermutigende Nachrichten aus Washington. Die Wall Street braucht nämlich dringend positive Konjunktursignale sowie Klarheit über die künftige Finanzpolitik - sonst droht ihr immer mehr die Puste auszugehen. Von Montag an werden die Investoren also eine Vielzahl von Wirtschaftsdaten nach Hinweisen auf eine robuste US-Konjunktur durchkämmen, die die jüngste Rally rechtfertigen. Mit großem Interesse werden sie auch Gespräche von Präsident Barack Obama mit Kongresspolitikern verfolgen, bei denen die Weichen in der Steuerpolitik gestellt werden. Aufschluss über die weitere Strategie der Notenbank erhoffen sich die Anleger schließlich von Fed-Chef Ben Bernanke, der am Freitag auf der Zentralbanken-Konferenz in Frankfurt sprechen wird.

Nach einer fünfwöchigen Gewinnphase hatten die drei führenden US-Aktienindizes in der vergangenen Woche ein Minus von jeweils mehr als zwei Prozent hinnehmen müssen. Auch in der kommenden Woche könnten sich die Anleger daran erinnern, dass die US-Arbeitslosenrate noch immer über neun Prozent liege und dass Staaten unter der Schuldenkrise ächzten, sagte John Lynch, Aktienstratege bei Wells Fargo Funds Management. Bei nur einer Enttäuschung unter den Konjunkturdaten und ohne Klarheit in der Finanzpolitik könnten die Märkte den Rückwärtsgang einlegen.

Am Donnerstag trifft sich Obama mit Abgeordneten, um die Steuerpolitik unter den neuen Machtverhältnissen im Kongress auszuloten. Nach den jüngsten Wahlen werden die Republikaner im Januar die Kontrolle im Repräsentantenhaus übernehmen und versuchen, gegenüber dem demokratischen Präsidenten ihre Vorstellungen durchzusetzen: Sie wollen alle unter Obamas Vorgänger George W. Bush eingeführten Steuererleichterungen, die Ende 2010 auslaufen, verlängern.

Die meisten Demokraten wollen die Begünstigungen dagegen nur für Einkommen bis zu 200 000 Dollar bei Einzelpersonen und 250 000 Dollar für Familien aufrechterhalten. Viele Demokraten fürchten, dass eine umfassende Verlängerung der Begünstigungen auch für Spitzenverdiener das immense Haushaltsdefizit weiter steigen lässt, aber kaum gegen die hohe Arbeitslosigkeit wirkt.

Doch die Märkte stehen Beobachtern zufolge eher auf der Seite der Republikaner: „Bushs Steuererleichterungen sind für die Märkte sehr wichtig“, sagt Michael Yoshikami von YCMNET Advisors. Wenn sie nicht fortgeschrieben würden, drohten Einbußen beim Wirtschaftswachstum.

Hinweise auf den derzeitigen Zustand der US-Wirtschaft erhoffen sich die Anleger von den Einzelhandelszahlen am Montag, den Erzeugerpreisen am Dienstag und den Verbraucherpreisen am Mittwoch. Viele Unternehmen klagten über steigende Rohstoffpreise und die nur begrenzte Möglichkeit, die höheren Kosten an die sparsamen Kunden weiterzugeben, sagte Experte Lynch. Das drücke auf Renditen und Gewinne.

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