Wall Street
Das große Zittern

Auch in der kommenden Woche sollte es an der amerikanischen Börse spannend bleiben. Nachdem bereits die Zentralbanken die Märkte stabilisieren mussten, könnte jede noch so kleine Verunsicherung für Kurseinbrüche sorgen, sagen Experten. Dabei sieht zumindest die Jahresbilanz an der Wall Street noch immer ganz gut aus.

HB NEW YORK. Die ausgewachsene Kreditkrise in den USA dürfte der Wall Street auch in der kommenden Woche eine Berg- und Talfahrt bescheren. Schon die kleinsten Anzeichen dafür, dass weitere Unternehmen betroffen sind und möglicherweise um ihre Existenz fürchten müssen, werde die Aktienmärkte nach unten ziehen, sind sich Experten einig. Die Frage sei nur, ob die US-Notenbank (Fed) den Dingen ihren Lauf lasse oder als Retter einspringe, meint etwa Chip Hanlon, Präsident von Delta Global Advisors. Für ihn sei letzteres wahrscheinlicher.

Wie andere Zentralbanken rund um den Globus hatte die Fed in der vergangenen Woche zu milliardenschweren Liquiditätsspritzen gegriffen, um den Markt zu stabilisieren. Allein am Freitag pumpte sie 38 Milliarden Dollar in das Bankensystem - so viel wie noch nie an einem Tag seit kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Insgesamt versorgte die Zentralbank die Institute in der abgelaufenen Woche mit 87,5 Milliarden Dollar nach 50,25 Milliarden Dollar in der Woche davor. Auch Markt-Stratege Joseph Quinlan von Banc of America Capital Management hält weitere Liquiditätsspritzen für möglich, sollte sich die Lage nicht entspannen. "Die Fed hat bereits gezeigt, dass sie das tut, wenn es sein muss."

Trotz der deutlichen Verluste am Donnerstag und Freitag hatten die drei führenden Indizes die volatile Woche mit Kursgewinnen beendet: Der Leitindex Dow Jones legte auf Wochensicht 0,4 Prozent zu, der breiter gefasste S&P-500 1,4 Prozent und der Index der Technologiebörse Nasdaq 1,3 Prozent. Im bisherigen Jahresverlauf präsentiert sich der Dow sogar mehr als sechs Prozent fester.

Viele Experten sehen vor diesem Hintergrund in den jüngsten Finanzspritzen auch nur eine vorübergehende Maßnahme und halten an ihrem langfristigen Ausblick für die Geldpolitik der US-Notenbanker fest. Und der ist eindeutig: Eine Zinssenkung durch die Fed sei in naher Zukunft nicht zu erwarten, heißt es. Zwar geht die Mehrheit der Primärhändler in den USA davon aus, dass der nächste Schritt der Fed eine Zinssenkung sein wird. Allerdings erwarten inzwischen nur noch wenige von ihnen, dass dies noch vor Jahresende passiert. Eine "Notfall-Senkung" sei nicht ausgeschlossen, sagt Volkswirt Jan Hatzius von Goldman Sachs. "Wir gehen aber ganz sicher nicht fest davon aus, dass dies geschieht."

Für die Fed dürfte in den kommenden Tagen vor allem wichtig sein, wie die Inflationsdaten ausfallen, die am Dienstag in Form der Erzeugerpreise und am Mittwoch mit den Verbraucherpreisen anstehen. Auch die am Freitag zur Veröffentlichung stehenden Daten zum Verbrauchervertrauen im August werden mit Spannung erwartet.

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