Wall Street
Die Leiden der Aktienbroker

Das Geschäft mit Aktien könnte schlechter nicht laufen. Aktuelle Zahlen belegen, dass die Einnahmen der Broker zuletzt deutlich gesunken sind. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.
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New YorkDie Provisionseinnahmen europäischer Aktienbroker sind 2012 um 29 Prozent zurückgegangen, wie die Tabb Group in einer aktuellen Studie mitteilte. Aus einer Umfrage unter 60 Leitern von Aktien-Desks ergab sich, dass die Einnahmen der Broker in diesem Jahr auf 865 Mio. Euro zurückgingen, nach 1,2 Mrd. Euro im Vorjahr. Rund 45 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie den Anteil der Aufträge, die sie über traditionelle Handels-Desks abwickeln, zurückfahren. 66 Prozent handeln über Computer-Algorithmen.

“Eine Kombination aus einer sich vertiefenden Wirtschaftskrise, zunehmender Regulierung und einem Einbruch bei den Handelsvolumina und Provisionszahlungen erhöht die Dringlichkeit, veraltete Geschäftsmodelle anzupassen”, sagte Rebecca Healey, die Autorin der Tabb-Studie, die den Titel “Changing the Rules of Engagement” trägt. “Der Status Quo lässt sich nicht mehr aufrechterhalten.”

Die Volumina im Aktienhandel gehen weltweit zurück. Das Handelsvolumen der im Stoxx Europe 600 Index gelisteten Aktien lag im Schnitt der vorangegangenen 50 Tage um 27 Prozent niedriger als ein Jahr zuvor, ergibt sich aus Daten, die Bloomberg zusammengestellt hat.

Angesichts der rückläufigen Volumina gaben 45 Prozent der Umfrageteilnehmer an, dass sie Provisionszahlungen konzentrieren und senken. 42 Prozent gaben an, dass sie die Brokerdienstleistungen, die sie in Anspruch nehmen, auf den Prüfstand stellen.

“Alle Marktteilnehmer müssen darauf vorbereitet sein, dass sie mit weniger Aufwand mehr erreichen”, sagte Healey. “Ohne Volumenzunahme in unmittelbarer Zukunft werden die Broker mit weniger Personal und begrenzten Ressourcen gezwungen sein, wirkungsvoller Umsätze zu generieren.”

Während die Liquidität schwindet, nimmt die Zahl der Händler zu, die sogenannte Dark Pools nutzen, wo Preise für die Marktteilnehmer nicht sichtbar sind. Zehn Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, dass sie über 30 Prozent ihres Handels über Dark Pools tätigen. 2011 waren es erst acht Prozent.

2011 wurden in Europa im Aktienhandel bei einer Reihe von Akteuren die Aktivitäten zurückgefahren. So schloss die größte italienische Bank, die Unicredit, im vergangenen November ihre Sparte Aktienhandel Westeuropa. Bei mindestens fünf weiteren Instituten, darunter Nomura Holdings Inc., wurden Stellen im europäischen Aktienhandel abgebaut.
Von den 60 Teilnehmern an der Tabb-Umfrage arbeiten 40 bei herkömmlichen Vermögensverwaltern, die restlichen 20 bei Hedgefonds. Gemessen am durchschnittlichen Tagesvolumen waren 2012 Tabb zufolge Credit Suisse Group, UBS, Morgan Stanley, Deutsche Bank und Bank of America die größten Aktienhändler der Region.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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  • Die allgemeine Verteufelung von Algorithmen geht völlig am Thema vorbei und zeugt von Unkenntnis (und damit meine ich nicht die unsinnigen in Millisekunden auftauchenden und wieder gelöschten Orders).

    Aber Order-Typen wie " Motion Stopp-Buy/Sell " oder ein " Headline-Algo " sind eben auch Algorithmen. Und so etwas hat jede professionelle Handelsplattform programmierbar über den API, und ist für mich unverzichtbar.

    Also bitte etwas differenzierter die Sache betrachten.

  • Dünne Umsätze-steigende Kurse,genau wie im zeitigen 2000,da ging es auch so los,von Januar bis März nur heiße Luft ,damals stieg der DAX nach dem leichten Crash zu Jahresanfang von 6400 bis 8120,aber die Umsätze nahmem immer weiter ab,von Woche zu Woche wurde es weniger,obwohl DAX,NEMAX und NEMAX 50,Nasdaq und Nasdaq 100 immer weiter stiegen,das geht nicht mehr lange gut,sagten wir uns damals,genau wie jetzt...

  • Zitat: "66 Prozent handeln über Computer-Algorithmen"

    Bei meinem Broker zahle ich bei jedem Aktienkauf 0,25% von der Kaufsumme + pauschal 5 Euro. Wenn man im Millisekundenbereich kauft und verkauft, müssten die Gebühren ja astronomisch sein. Aber vermutlich bekommen die Algo-Trader ja Sonderkonditionen.

    Abgesehen davon ist das Algo-Trading eine riesige Gemeinheit gegenüber den ehrlichen Aktienhändlern.

    Durch Order-Flutung werden Kurse manipuliert. Bei bestimmten Kaufsignalen im Chart wird so schnell ge- und wieder verkauft, dass kein normaler Trader da mitkommt.

    Die Algo-Trader rechtfertigen sich z.B. mit dem Argument, dass sie die Liquidität erhöhen.

    Aber eines ist doch klar: An der Börse steht jedem Gewinn ein Verlust gegenüber. Das heißt, wenn die Algo-Systeme Milliarden Gewinne machen, verlieren andere. Mit fairem Handel hat das nichts zu tun!

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