Wall Street
US-Aktien sind so billig wie selten

US-Firmen verdienen blendend, doch in den Aktienkursen spiegelt sich das nicht wider. Amerikanische Aktien sind so günstig wie zuletzt 1989. Eine gute Gelegenheit für Anleger.
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DüsseldorfIn der Vergangenheit galt fast immer das Motto: Amerikas Unternehmen sind überbewertet und teurer als im langjährigen Durchschnitt. Solch einen Aufschlag im Mutterland der Börse gab es vor allem deshalb, weil die vielen amerikanischen und milliardenschweren Investment- und Pensionsfonds sehr viel stärker ihr Geld in Aktien anlegen als in Europa.

Weil obendrein die USA so viele globale und scheinbar auf Dauer erfolgreiche Konzerne wie Coca-Cola, General Electric und Philip Morris beherbergen, störte sich kaum jemand an diesem Aufschlag. Er gehörte an der Wall Street eben dazu.

Diesen „Bonus“ genießen Amerikas Firmen zwar noch immer – zumindest im Vergleich mit Aktien im schuldengeplagten Euro-Land. Aber: Die US-Unternehmen kosten auf Basis ihrer bereits erzielten Nettogewinne aktuell zum ersten Mal seit 1989 weniger, als es dem historischen Durchschnitt entspricht – und dieser reicht immerhin bis 1871 zurück.

Konkret heißt das: Derzeit bezahlen Anleger für die 500 börsennotierten US-Konzerne im Schnitt das Zwölffache des Gewinns, den die Firmen in den abgelaufenen vier Quartalen erzielten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) beträgt also zwölf. Das Durchschnitts-KGV seit 1871 liegt bei 14,5. Daran gemessen sind die US-Konzerne derzeit um gut 15 Prozent unterbewertet.

Eine solche Unterbewertung ist zwar noch keine Garantie dafür, dass die Konzerne in Zukunft ihren Börsenwert und Anleger ihren Depotwert überdurchschnittlich mehren können. Schließlich sind Kurse nur das Resultat auspotwert überdurchschnittlich mehren können. Schließlich sind Kurse nur das Resultat aus Angebot und Nachfrage.

Aber: „Langfristig profitierten Anleger davon, wenn sie dann Aktien kaufen, wenn sie unterdurchschnittlich bewertet sind“, sagt Jeff Hochman von der internationalen Fondsgesellschaft Fidelity. Statistiken für die Wall Street seit 1871 belegen: Wer in der Vergangenheit bei einem Bewertungsniveau, wie es aktuell existiert, eingestiegen ist, konnte sich zwölf Monate später über einen Realgewinn – also nach Abzug der Inflationsrate – von durchschnittlich 10,6 Prozent freuen. Auf Sicht von fünf Jahren beträgt der jährliche Kursgewinn sieben Prozent und auf Zehnjahressicht 7,4 Prozent.

Wer dagegen eingestiegen ist, als die Märkte mit einem KGV zwischen 17 und 20 bewertet waren, also bei einem Niveau, das in vielen Phasen der letzten zwei Jahrzehnte herrschte, der musste sich mit weit weniger Rendite begnügen: auf Sicht von zehn Jahren mit einem Zuwachs von nur 3,6 Prozent pro Jahr.

Ein Blick über die Wall Street hinaus zeigt allerdings, dass die US-Konzerne zumindest im Vergleich zu den Europäern gar nicht so billig sind. In Euro-Land bezahlen die Käufer die Unternehmen aktuell nur mit dem 8,5-Fachen des Jahresnettogewinns. Das ist ein Drittel weniger als in Amerika.

Die Gründe: Seit Juli sind die Aktienkurse in Europa um knapp 30 Prozent und damit stärker als an der Wall Street eingebrochen. Zudem hatten sich die Aktien seit dem Aufschwung ab 2009 nur schwach erholt. Die Schuldenkrise lastet auf ihnen. Weil die meisten Firmen aber hervorragend verdienen und ebenso wie US-Konzerne vor einem Rekordgewinnjahr 2011 stehen, sind Europas Aktienmärkte noch preiswerter als die Wall Street.


Kommentare zu " Wall Street: US-Aktien sind so billig wie selten"

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  • chinesische gibt es für ein KGV von 2 bei einem Verhältniss Kurs/Buchwert von 0,3. Amerikanische Aktien glänzen durch Schulden und null organischem Wachstum.

  • Nein, 1930 waren sie noch billiger und das steht wieder bevor.

    Jedem, der fehlerfrei auf Drei zählen kann, was offensichtlich vielen Politikern abgeht, dem ist längst klar, dass es anders nicht geht. Nein, den Politmarionetten ging es bisher darum Zeit zu gewinnen, damit die privaten Banken ihre Schrottpapiere, mit denen sie viel Geld verdient haben noch gewinnbringend an die Zentralbanken verkaufen konnten (das durfte nur in kleineren Tranchen geschehen um die Kurse zu stützen), natürlich zuletzt auf Kosten der Steuerviehs!
    Nun ist es offensichtlich so weit, dass die nun absolut wertlosen Papiere im Safe der Steuerzahler gelandet sind und nun darf so langsam passieren, was niemals zu verhindern ist!
    Natürlich ist nun kein Rettungsschirme mehr am kommenden Desaster schuldig, sondern die Schulden (Abschreibungen) sind schon da. Und wieder mal hatten die Politiker recht. Die Rettungsschirme sind und waren nicht das Problem! Nein, nicht, sondern die Politiker sind das Problem und ausführlich beschrieben ist das ganze Szenario bei

    www.steuerembargo.co.de

    Hier kann man auch erfahren, wie man handeln kann. Sehr, sehr empfehlenswert!

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