Walter zu Dubai
„In Dubai wurde falsch geplant und Geld verbrannt“

Die Krise in Dubai hat vor allem hausgemachte Gründe, sagt Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Im Gespräch mit Handelsblatt Online erklärt er, warum die Planer am Golf bewusst am Bedarf vorbei gebaut haben, wieso die meisten Ideen scheitern mussten und welche Geschäftsmodelle in Dubai funktionieren können.
  • 14

Herr Walter, die Finanznöte Dubais haben Sorgen vor einem Neuaufflammen der Finanzkrise geweckt. Sehen Sie diese Gefahr auch?

Dubai ist für mich eher Ausdruck für eine eigenständige Krise, die unabhängig von der Finanzkrise auftritt. Das hat etwas zu tun mit einer Gegend, in der es im Sommer niemand aushält. Dort wurden Büros gebaut, als wäre Dubai der Großraum Paris. Das ist es aber nicht. Wenn man für Touristen von der Nordhalbkugel in Dubai 5-Sterne-Hotels baut, sollte wohl klar sein, dass die typische Arbeitnehmerfamilie aus Europa in diesem Wetter weder Sommerferien machen will, noch sich mehr als zwei oder drei Tage in einem der Luxushotels leisten kann. Insofern zeigten sich mehrere Ideen als nicht ernst zu nehmende Geschäftsmodelle. Als ich das den Leuten in Dubai und Abu Dhabi sagte, antworteten sie: „Herr Walter, das ist doch gar nicht unser Geschäftsmodell. Wir lassen die Gebäude doch gerne leer stehen, da werden sie auch nicht abgenutzt. Wir haben die Immobilien doch nur gebaut, weil wir sicher sind, dass sie uns jemand zu einem höheren Preis abkauft.“ Das hat 30 Jahre geklappt und deshalb haben viele geglaubt, das müsse immer klappen. Aber die letzten zwölf Monate haben gezeigt: Irgendwann bricht der Krug.

Dass Dubai seine Wirtschaft diversifizieren und die Abhängigkeit vom Öl reduzieren muss, ist aber unstrittig. Was hätte denn in der Region klappen können?

Eine ausgewogene Diversifizierung ist ja prinzipiell völlig richtig. Eine andere Frage ist, welche Engagements in die Region passen. Ich glaube: Angesichts der großen Schwierigkeiten in Indien Infrastruktur bereitzustellen, ist ein Land, das so nahe an Indien liegt, wahrscheinlich ein richtig guter Hub für Logistik: also Seehäfen oder Flughäfen. In diesem Sinne gab es in Dubai durchaus richtige Investitionsentscheidungen. Aber Büroflächen so groß wie Paris? Sorry, das ist eine Fehlplanung. Und von dieser Art gab es im arabischen Raum, nicht nur in Dubai, zahlreiche weitere Fälle.

Zum Beispiel?

Wenn ich sehe, mit welcher Begeisterung man in dieser Region in die Produktion von Frischmilch diversifiziert hat. Die größte Milchfarm gibt es in Riad. Da dort keine Kuh an der Oberfläche überlebt, stehen die Tiere alle in gekühlten Kellern. Kühe brauchen aber zum Überleben auch sehr viel Wasser. In Riad muss das Wasser über 500 Kilometer durch die Wüste geleitet werden und kommt dann immer noch nicht von Frischwasserquellen sondern aus Entsalzungsanlagen, die mit Öl betrieben werden. Diversifizierung dieser Art ist Geldverbrennung. Und wenn man dann noch Weizen in der Wüste anbaut, wird es ganz doll. Die Diversifizierung war eine Diversifizierung von Leuten, die so reich waren, dass sie glaubten, nicht mehr rechnen zu müssen. Aber das rächt sich.

Wie sehen Sie die Bestrebungen Dubais, ein führender Finanzplatz zu werden?

Da gibt es einen Aspekt, den sollte man ernst nehmen und das ist Islamic Banking. Dazu ist diese Region offenkundig geeignet. Aber ob dann Dubai der Platz ist oder ob man das besser in Malaysia macht, bleibt offen. Ich stelle mir vor, dass es relativ schwer sein wird, ein wirklich internationales Finanzzentrum außerhalb Asiens, Europas und der USA zu etablieren. Ich glaube, am Ende werden wir in diesen drei Zeitzonen jeweils ein internationales Finanzzentrum haben, d.h. vermutlich New York, vermutlich London und wir werden vermutlich aus den vier Städten Tokio, Hongkong, Schanghai und Singapur zu wählen haben. Und da die Chinesen sich so schwer entscheiden, heißt meine Wette, dass es am Ende Singapur sein wird. Aber wenn Singapur das internationale Finanzzentrum in Asien wird, braucht man kein Dubai mehr.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

Kommentare zu " Walter zu Dubai: „In Dubai wurde falsch geplant und Geld verbrannt“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • @PacoH: Mich erstaunt ihr Optimismus wirklich.
    Wir brauchen doch gar nicht mehr abwarten, ob das Konzept in Dubai scheitert, es iST gerade gescheitert.
    im Übrigen: als Stadt in der man wohnen möchte, nicht nur arbeiten, in der es auch ein öffentliches Leben gibt, und zwar nicht nur in Hotellobbys bleibt Dubai wahrscheinlich noch sehr lange uninteressant.

    Einfach nur viel Geld ausgeben und Kultur per befehl zu transferieren...
    ich glaube das funktioniert einfach nicht!

  • Sorry, ich war schon öfters in den VAE und Dubai, und finde die Argumenten und Einschätzungen von Hr. Walter etwas engstirnig und spekulativ. Ja hat, insbesondere Dubai, die letzten Jahren auf einen zu großen Fuß gelebt. Aber das haben Sie bewusst getan um konservative Kräften in der Region vor zu sein. Weil egal was jetzt noch passiert einen Weg zurück oder dies zu stoppen ist von denen kaum noch möglich. Was Dubai in der Region tut und bewirkt, ist bemerkenswert und verdient Respekt. Dubai hat die ganze Region in positivem Sinn im Umbruch gebracht. Das arabische Halbinsel wird dadurch vermutlich zu einer nächsten aufkommenden Markt sein.

    Ja wurden und werden bei dieser Umwandlung Fehler gemacht, aber die Emirati lernen davon auch sehr schnell.Viele zumindest Emirati sind, im Westen, recht gut ausgebildet, nur fehlt ihnen in manche Situationen noch die Erfahrung das richtig und passend innerhalb der Rahmen der Sitten, Strukturen und bedingunen vorort, das anzuwenden.

    Für Touristen spezifisch scheinen mich diese hohe Temperaturen wenig problatisch zu sein. Das ist einen ganz anderen Art von Hitze, und wenn man aus einem relativ kühlen Europa kommt für eine Woche sogar angenehm. Daneben ist die infrastruktur (Unterkünfte, büros, Transport, usw.) und Kultur bestens dafür ausgelegt und angepasst.

    Das Angebot und bedürfnisse der Touristen werden sich zulkünftig auch noch aufeinander zubewegen. Genauso wie die Nachfrage und Angebot von immobilien. Die Lage von Dubai spezifisch und Austattung is bestens für eine business-Standort zwischen Europa und Asien, oder als Springbrett für die Region. Also kann ich den letzten Abschnitt mal gar nicht nachvollziehen. Die indier und Chinesen sind die Europäer da vermutlich schon vor.

    ich vermute auch, dass die VAE bzw. Dubai innerhalb der nächste 10 Jahre (oder mehr) sehr erfolgreich mit diesem Konzept wird sein. Wer das alles bestritt, ist vielleicht einfach nur bisschen neidisch.

  • Einer der größten Dummschwätzer überhaupt. ich liebe diese kleinen Menschlein die hinterher alles gewußt haben. Vor ein paar Wochen hat er noch weit über 5 Millionen Arbeitslose vorher gesagt! Der wird doch in seiner bank gar nicht mehr ernst genommen, sonndern nur noch geduldet bis er in Rente geht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%