Wegen neuer Regeln: Bester Facebook-Analyst verliert seinen Job

Wegen neuer Regeln
Bester Facebook-Analyst verliert seinen Job

2012 wählte das Magazin „Forbes“ den Kasachen Erlan Abdikarimov zum besten Analysten für Facebook-Aktien. Heute, fünf Monate später, ist der 24-Jährige arbeitslos und macht sich Gedanken über die berufliche Zukunft.
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Gerade einmal fünf Monate nach der Ernennung zum besten Analysten für Facebook durch das Magazin „Forbes” ist der 24-jährige Kasache Erlan Abdikarimov seinen Job los. Hintergrund: Das Land in Zentralasien hatte neue Regeln erlassen, die Boutique-Investment-Firmen wie die des jungen Mannes zur Aufgabe zwangen.

Das Unternehmen mit dem Namen IFG Continent wurde 2012 aus dem Markt gedrängt, weil es nicht in der Lage war, die zum 1. Januar in Kraft getretenen neuen Vorschriften für Kapital und Handelsvolumen zu erfüllen. Es zählte zu jenen sieben Brokerfirmen, die 2012 schließen mussten. Damit mussten sich vergangenes Jahr mehr Firmen auflösen als in den beiden Jahren zuvor zusammengenommen, wie Daten der Zentralbank des Landes zeigen.

Abdikarimov gehört zu den geschätzten 600 Personen, die bereits ihren Job verloren haben oder denen das noch bevorsteht. Das erklärte zumindest Orken Invest, eines der betroffenen Unternehmen. Die Anzahl der kasachischen Broker wird den Angaben zufolge von 44 zu Jahresbeginn 2012 auf jetzt nur noch etwa zehn Mitspieler reduziert.

„Die Bedingungen, die von der Zentralbank für den weiteren Geschäftsbetrieb auf dem Wertpapiermarkt aufgestellt wurden, waren nicht akzeptabel”, sagte Damir Seisebayev, ein Managing Director bei Orken. „Wir wurden zur Aufgabe unserer Lizenz gezwungen.”

Abdikarimov, eigentlich ein Bergbau-Spezialist, war im vergangenen Jahr nach eigenen Worten von Kunden um Rat gefragt worden - und zwar mit Blick auf den bevorstehenden Börsengang von Facebook. Nach Analysen zum Betreiber des sozialen Online-Netzwerkes kam er zu dem Schluss, dass das US-Unternehmen 24,62 Dollar pro Aktie wert ist. Das war der niedrigste Preis unter allen von Bloomberg News damals beobachteten Experten, die sich mit Facebook auseinandersetzten.

Als Facebook dann am 17. Mai zu 38 Dollar an den Markt kam, rief Abdikarimov zum Verkauf der Titel. Und er sollte Recht behalten. Die Aktien verbilligten sich in den kommenden Wochen immer weiter und kosteten am 4. September nur noch 17,55 Dollar.

Seine guten Facebook-Prognosen konnten ihn aber nicht vor dem Job-Verlust bewahren. „Es war traurig, weil ich ein paar Projekte aufgeben musste, die ich gestartet hatte. Kleinere Firmen sind offener als einige große Unternehmen, wenn es um innovative Ideen geht.”

Die kasachischen Aufsichtsbehörden hatten ihre Maßnahmen damit begründet, dass sie den Markt des Landes stärken wollen, bevor Kasachstan der Welthandelsorganisation (WTO) beitrete. Denn der Beitritt könne zu einem starken Zufluss von Kapital führen. Kasachstan verfügt immerhin über drei Prozent der weltweiten Ölvorkommen. Zudem ist das Land der größte Uran-Lieferant. Der Beitritt zur WTO soll bis Jahresende erfolgen.

Kasachstan mit seinen über 16 Millionen Einwohnern ist zudem dabei, Privatisierungen in einem bislang nicht beobachteten Ausmaß voranzutreiben. Das Programm wird die Nachfrage nach Finanzdienstleistungen antreiben und für die wenigen übrig gebliebenen Broker große Mengen an Gebühren generieren, sagt Orkan-Manager Seisebayev.

JSC Halyk Finance, die Tochtergesellschaft der Halyk Savings Bank, dem nach der Bilanzsumme zweitgrößten kasachischen Geldhaus, begrüßte die Veränderungen, die viele der kleineren Wettbewerber aus der Welt geschafft hat. „Die neuen Anforderungen werden es der Aufsicht ermöglichen, sich auf eine kleinere Anzahl von Anbietern zu kontrieren”, erklärte Vorstandschef Yerkebulan Tulibergenov.

Ohne ein neues Stellenangebot auf dem Tisch muss sich Abdikarimov nach eigenen Worten Gedanken über seine berufliche Karriere machen. „Ich habe noch immer keinen Job”, sagte er. „Die Maßnahmen der Regulierer haben viele Marktteilnehmer dazu gezwungen, aufzugeben - inklusive meiner eigenen Firma.”

Anmerkung: In einer früheren Version war die Welthandelsorganisation fälschlicherweise mit "WHO" abgekürzt worden, richtig ist: "WTO".

Kommentare zu "Bester Facebook-Analyst verliert seinen Job"

Alle Kommentare
  • Die World Trade Association wird also mit WTO abgekürzt?
    Wieso sprechen wir überhaupt über einnen Nutzfahrzeug-Importeur, der sich nach eigenen Angben mit WTA abkürzt?
    Die World Trade Organization hingegen kürzt sich mit WTO ab und entspricht wohl vielmehr der Welthandelsorganisation. Beim Klugscheißen verk*en ist schon bitter...

  • bitte das nächste Mal besser recherchieren: man kann die Kürzel internationaler Organisationen nicht einfach "eindeutschen"! WHO heißt auch hierzulande "world health organisation", während die (genannte) Welthandelsorganisation "world trade association", also WTO heißt!

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