Weltgrößte Terminbörse erprobt neuen strategischen Ansatz im US-Geschäft
Eurex erweitert die Handelszeiten

Die weltgrößte Terminbörse Eurex will ihre Handelszeiten von zwölf auf mindestens 18 Stunden ausdehnen, um den Nachmittagshandel in den USA abzudecken. „Als führende Terminbörse sollten wir es uns nicht leisten, hinter der Handelszeit der Wettbewerber zurückzubleiben“, sagte Eurex-Vorstandschef Rudolf Ferscha dem Handelsblatt.

FRANKFURT/M. Für eine solche Ausweitung der Handelszeit bedürfe es jedoch noch der Genehmigung des Eurex-Börsenrates, setzte er hinzu. Er baue nicht mehr auf das aus der Allianz mit der Terminbörse Chicago (CBOT) stammende Zweiplattformen-System, sagte Ferscha. Statt dessen möchte er wie die internationale Konkurrenz mit einer einheitlichen globalen Plattform arbeiten. Mit diesem Strategieschwenk reagiert die Terminbörse, die eine Tochter der Deutschen Börse ist, auf eine Krise ihres US-Geschäfts. Die US-Tochter der Eurex hatte vor kurzem angekündigt, alle Marketingaktivitäten für US-Staatsanleihen-Futures einzustellen und sich auf Devisen-Futures zu konzentrieren. Sie war im Februar 2004 in den USA eingestiegen, konnte aber keine nennenswerten Marktanteile gewinnen. Sie wirft ihren Konkurrenten vor, sie mit unfairen Mitteln blockiert zu haben und wehrt sich dagegen mit einer Klage.

Die Eurex baute in den USA zunächst auf eine Kooperation mit der Konkurrentin CBOT. Die beiden Börsen haben ihre technischen Plattformen verlinkt (s. „Grenzüberschreitende Abwicklung“). Die im Oktober 2004 eingeführte erste Phase des Global Clearing Link erlaubt es US-Investoren, Kontrakte an der Eurex in Europa zu handeln und diese dann über die Clearing Corporation in Chicago abzurechnen und abzuwickeln. Diese erste Phase dieser grenzüberschreitenden Clearing-Vernetzung beschreibt Eurex-Chef Ferscha als vollen Erfolg. „Wir haben bei den in diese Verbindung einbezogenen Produkten die Zutrittskosten aus den USA wesentlich gesenkt und hier seit November 2004 ein Umsatzplus von 35 Prozent erzielt“, sagte er. Zum Vergleich: Die Umsatzsteigerung der nicht unter die transatlantische Clearingverbindung fallenden Kontrakte belief sich nur auf zehn Prozent.

Die zweite Phase der Clearingverbindung hätte die volle Fungibilität des Eurex-Derivatehandels in Europa und Nordamerika zur Folge. Durch diese transatlantische Verbindung wäre die volle Ersetzbarkeit (Fungibilität) aller an der Eurex Europa und der Eurex US gehandelten Benchmark-Derivate möglich geworden. Die Kunden hätten in dieser erweiterten Zweiplattformen-Strategie die Chance, ihre bisherige Clearingverbindung – entweder die Eurex Clearing AG in Frankfurt oder die Clearing Corporation in Chicago – beizubehalten.

Aber bei der zweiten Stufe gibt es Probleme mit der Genehmigung durch die US-Behörden. Sie seien durch das wettbewerbswidrige Verhalten der Konkurrenten CBOT und CME bedingt, heißt es in Eurex-Kreisen in Chicago. Die weltgrößte Terminbörse hat vor diesem Hintergrund eine bereits laufende Klage gegen die beiden größten Terminbörsen der USA erweitert – bisher warf sie ihnen bereits vor, mit Kampfpreisen zu arbeiten. Es gebe Zeichen dafür, dass die Konkurrenten die Genehmigung des so genannten Global Clearing Link II durch die Aufsichtsbehörde CFTC blockiert hätten, heißt es jetzt bei der Eurex. „Wir können unseren Kunden keinen Zeitplan für die Inbetriebnahme des Global Clearing Link II nennen“, sagte Ferscha dem Handelsblatt dazu.

Die Aufsichtsbehörde wehrt sich gegen die Vorwürfe. CFTC-Chefin Sharon Brown-Hruska sagte, man werde über den Antrag entscheiden, wenn alle Unterlagen vorlägen. Das Anliegen der Eurex sei komplex und ambitioniert. Noch ungeklärt sei unter anderem die Handhabung der Eurex in eventuellen Insolvenzfällen.

Die Eurex gehört der Deutschen Börse und der Schweizerischen Börse SWX. Sie spielt für die Strategie der Frankfurter Mutter eine große Rolle, weil sie als einer ihrer wertvollsten Unternehmensteile gilt. Als die Deutsche Börse vor kurzem durch Hedge-Fonds im Aktionärskreis unter Druck geriet, wurde daher immer wieder auch über eine mögliche Abspaltung und einen Börsengang oder Verkauf der Eurex spekuliert.

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