Wenn Wall-Street-Profis meditieren
„Ich reagiere auf volatile Märkte jetzt viel ruhiger“

Meditation und Börse? Passt das überhaupt zusammen? Ja, es passt. Viele Händler setzen auf die Transzendentale Entspannung, um ihre Gewinne zu steigern. Allerdings bleiben moralische Prinzipien dabei oft auf der Strecke.
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New YorkAls die Aktien- und Anleihemärkte Ende Januar nachgaben, blieb Hedgefonds-Manager David Ford ganz gelassen. Er beobachtete, wie die Märkte der Schwellenländer an Boden verloren, und las Prognosen zu einem Einbruch der US-Konjunktur. Als die Kurse fielen, widerstand er der Versuchung, mit dem Rest der Marktteilnehmer zu flüchten. Stattdessen kaufte er noch mehr Unternehmensanleihen.

Nach zwei Jahrzehnten als Händler begründet Ford seine Gelassenheit mit Erfahrung – und mit jenen 20 Minuten, die er jeden Morgen im Schlafanzug mit Meditation verbringt. Die Technik wurde ihm vor zwei Jahren von einem Lehrer für Transzendentale Meditation beigebracht.

„Ich reagiere auf volatile Märkte jetzt viel ruhiger“, sagt der 48-Jährige in einem Interview mit Bloomberg News. „Ich habe mehr Geduld.“

Und er hat auch mehr Geld. Sein Anleihefonds Latigo Partners LP konnte im vergangenen Jahr um 24 Prozent zulegen. Beinahe schlug er damit die Rally am Aktienmarkt – und das mit einem Anleihefonds.

Ford ist Teil einer steigenden Anzahl von Händlern an der Wall Street, die versuchen, sich einen Vorteil mit Meditation zu verschaffen. Zu der Gruppe dieser Finanzprofis gehören unter anderem die Hedgefonds-Manager Ray Dalio, Paul Tudor Jones und Michael Novogratz. Milliardär und Investor Daniel Loeb sang erst im Februar ein Loblied auf die Meditation – während er mit dem Dalai Lama in Washington auf der Bühne stand.

„Meditation hatte diesen Ruf, eine Hippie-Sache zu sein – etwas für Leute, die mit besonders sanfter Stimme reden“, sagt Jay Michaelson, Autor des Meditations-Buchs „Evolving Dharma: Meditation, Buddhism, and the Next Generation of Enlightenment“. Das sei ein Missverständnis. „Samurais haben meditiert, um besser töten zu können“, erläutert er. Auch Kamikaze-Piloten praktizierten Meditation. „Es ist wertneutral.“

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