Börse Inside
Wetten auf Kursdifferenzen werden rar

Bei Vorzugsaktien zeigt sich immer seltener ein Kursabschlag auf die Stammaktien. Zu den wenigen verbliebenen Papieren mit einem deutlichen Abschlag zählen derzeit die Vorzugsaktien von Volkswagen und die Vorzüge des im MDax-notierten Autovermieters Sixt. Experten sehen dafür einen einfachen Grund.

FRANKFURT. Es ist ein Ende mit Schrecken: Vergangene Woche informierte der Vorstand der Düsseldorfer WestLB seinen Aufsichtsrat darüber, die Spekulationen mit Kursdifferenzen zwischen Stamm- und Vorzugsaktien einzustellen. Professionelle Investoren kaufen meist im Rahmen dieser so genannten „Spread-Geschäfte“ die günstigeren der beiden Aktiengattungen und verkaufen zugleich die teureren leer. Damit gehen sie eine direkte Spekulation auf eine Verengung der Kursdifferenzen ein.

Die konservative Variante – also schlicht dem Kauf der jeweils günstigeren Aktienvariante ohne Kredit oder Gegengeschäfte – ist seit Jahren auch für Privatanleger ein Klassiker unter den Anlagestrategien. Allerdings schrumpft die Zahl der Aktienpaare mit Kursdifferenzen zwischen den Stamm- und Vorzugsaktien Jahr für Jahr. So betrug der Abschlag der stimmrechtslosen Vorzugsaktien von BMW auf die Stammaktien des Automobilwerts vor drei Jahren noch rund 30 Prozent, inzwischen notieren beide Aktiengattungen auf dem annähernd gleichen Kursniveau. Andere Unternehmen wie Fresenius Medical Care oder Metro sorgten mit Übernahmeangeboten aktiv für einen Angleich der Kurse beider Aktiengattungen.

Zu den wenigen verbliebenen Papieren mit einem deutlichen Abschlag zählen derzeit die Vorzugsaktien von Volkswagen mit einem aktuellen Abschlag von 33 Prozent und die Vorzüge des im MDax-notierten Autovermieters Sixt mit einem Discount von 28 Prozent. „Der Spread zwischen Stämmen und Vorzügen hat sich in den letzten zwei Jahren stark ausgeweitet und liegen jetzt im oberen Viertel der letzten zehn Jahre“, sagt Christian Obst, Analyst der HVB vor. Für ihn ist die Aktie allerdings nur eine Halteposition.

„In der Kapitalmarktforschung wird meist nur mit einem Abschlag von 20 Prozent gerechnet. Wir erachten diesen Abschlag deshalb für zu hoch und halten die Sixt-Vorzugsaktien im Vergleich zu den Stämmen deshalb aktuell für das attraktivere Investment", urteilt Klaus Kränzle, Analyst von GSC-Research.

„Der hohe Abschlag der Vorzüge von Volkswagen und Sixt signalisiert, dass der Markt bei beiden Unternehmen nicht von entscheidenden Veränderungen der Eigentümerstruktur und damit einer Zusammenlegung der Aktiengattungen ausgeht“, sagt MM-Warburg-Analyst Marc-René Tonn.

Spannender als die Phantasie einer Zusammenlegung ist für ihn ein Blick auf die Kennziffern der jeweils günstigeren Aktien. „Sixt schlug der Hauptversammlung im Juni eine Dividende von 1,05 Euro je Stamm- und 1,07 Euro je Vorzugsaktie vor. Daraus errechnet sich für die Stämme eine Dividendenrendite von 2,4 Prozent, für die Vorzüge hingegen von 3,4 Prozent, so Tonn.

Vergleichsweise konstant war über die vergangenen drei Jahre der Abschlag der Vorzugsaktien von RWE. Er beträgt derzeit rund 13 Prozent, überdies zahlt RWE für Stamm- wie Vorzugsaktien die gleiche Dividende.

Auf Basis der von Analysten für 2007 erwarteten Dividende errechnet sich derzeit eine für Dax-Konzerne hohe Dividendenrendite von 5,4 Prozent für die stimmrechtslosen Vorzüge von RWE. Dass auch ein vergleichsweise kleiner Abschlag der Vorzüge langfristig bei dividendenstarken Werten ins Gewicht fällt, zeigt eine längerfristige Betrachtung: Eine Investition von 10 000 Euro in RWE-Stammaktien vor sechs Jahren wäre bis heute inklusive Dividenden auf 21 200 Euro gewachsen, eine Investition in RWE-Vorzüge hingegen auf rund 26 000 Euro.

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