Wie Insider in New York Millionen abgreifen
Schattenmänner der Wall Street

Vor fünf Jahren trafen sich Mitchel Guttenberg und sein Freund Erik Franklin in einem New Yorker Restaurant, um eine alte Schuld zu begleichen. Aus dem Treffen ging einer der am weitesten verzweigten Ringe für illegalen Insiderhandel hervor, den es an der Wall Street je gegeben hat - und der jetzt aufflog.

NEW YORK/ZÜRICH. Der UBS-Banker Guttenberg bot seinem Freund an, einen Kredit von 25 000 Dollar mit wertvollen Informationen zurückzuzahlen. Als Direktor der Research-Abteilung wusste Guttenberg frühzeitig, wann die Schweizer Großbank Aktien herauf- oder herabstufen wollte - Insider-Informationen, die an der Börse bares Geld wert sind. Für Franklin, damals noch Hedge-Fonds-Manager für die Investmentbank Bear Stearns, war es ein Leichtes, aus dem Wissen seines Freundes Profit zu schlagen. Wenn Aktien heraufgestuft werden sollten, kaufte er die Papiere zuvor billig ein und verkaufte sie nach dem Kursanstieg mit einem kräftigen Gewinn. Bei einer Herabstufung, verkaufte er die Papiere frühzeitig auf Termin und erwarb sie nach dem Kursrückgang billiger. Auf diese Weise verdiente er innerhalb von fünf Jahren rund fünf Millionen Dollar und teilte den Gewinn - nach Abzug der Altschulden - mit seinem Kumpel. Guttenberg versorgte noch einen weiteren Freund mit seinen Insider-Tipps. Der gewiefte Börsenhändler David Tavdy machte daraus rund sechs Millionen Dollar.

Die Machenschaften von Guttenberg, Franklin und Tavdy sind nur die Spitze eines Eisbergs, den die New Yorker Staatsanwaltschaft zusammen mit der Börsenaufsicht SEC freigelegt hat. Die US-Behörden haben gegen insgesamt 13 Beschuldigte Anklage wegen Insiderhandels, Konspiration, Wertpapierbetrugs und Schmiergeldzahlungen erhoben.

Besondere Brisanz erhält die Aktion der Ermittler, weil prominente Großbanken und einige Hedge-Fonds in den Skandal verwickelt sind. "Solche Vorfälle stärken die Hände jener, die eine größere Kontrolle der Hedge-Fonds fordern", sagt der ehemalige SEC-Justitiar David Becker. Zumal mehrere Studien gezeigt haben, dass der Handel mit Aktien und ihren Derivativen auf den Terminmärkten regelmäßig vor größeren Übernahmen anzieht.

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