Wiedervorlage
Fünf Jahre DCX-Aktie sorgen für Ernüchterung

Die Stimmung an der Wall Street war ausgelassen: Von der Balustrade der New Yorker Börse blinkten Scheinwerfer aus Frontpartien von Mercedes- und Chrysler-Fahrzeugen in den Handelssaal und die beiden Daimler-Chrysler-Top-Manager sprachen von einer „historischen Stunde“. Es galt am 17. November 1998 den ersten Handelstag der neuen Aktie mit dem Kürzel DCX zu feiern, den offiziellen Start des neuen deutsch-amerikanischen Autokonzerns.

„Diese Ehe wurde im Himmel geschlossen“, jubelte Konzernschmied Jürgen Schrempp. Fünf Jahre später ist die Partnerschaft aber auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet und der Beweis steht weiter aus, dass die Fusion auch den Aktionären nützt.

Sechs Monate zuvor, im Mai 1998, hatten die beiden Firmenchefs die überraschende Firmenehe verkündet und mit der Bildung der zu den weltgrößten Autokonzernen gehörenen Daimler-Chrysler AG ein wichtiges Signal in der Automobilindustrie gesetzt. Daimler-Chrysler wurde zum Beleg für den Trend zu Globalisierung und Größe, jedoch auch dafür, wie sehr Theorie und Praxis auseinander klaffen können. Noch heute zeigt sich die „Welt AG“ als Dauerbaustelle, die die Management-Ressourcen des Konzerns weit stärker fordert als gedacht. Nicht nur die US-Sparte Chrysler ist noch immer ein Sorgenkind. Auch die 37 %-Beteiligung am japanischen Autohersteller Mitsubishi ist zum Bremsklotz für die Stuttgarter geworden.

Die im Jahr 2004 erwartete Vertragsverlängerung von Vorstandschef Schrempp bis vermutlich zum Jahr 2007 deutet nach Ansicht von Experten auch an, wann Daimler-Chrysler tatsächlich die Früchte der Fusion und des im Jahr 2000 erfolgten Einstiegs bei Mitsubishi ernten könne. „War der Zusammenschluss ein Fehler?“, fragte unlängst das New Yorker Wirtschaftsmagazin Business Week. Doch der Stratege Schrempp scheint zufrieden: „Daimler-Chrysler ist glänzend aufgestellt.“

Viele Daimler-Kleinaktionäre mögen dies allerdings anders sehen. Sie erlebten einen Kursrutsch, wie ihn sonst nur New Economy Papiere hingelegt haben: Am „Day One“, dem 17.11.1998, stand die neue Aktie bei 141,50 DM (72,34 Euro). Die Euphorie trug sie sogar auf rund 90 Euro, bis nach der Verkündung der Halbjahreszahlen im Juli 1999 der Abstieg bis auf rund 23 Euro einsetzte. Heute pendelt der Kurs um 30 Euro. Zum Vergleich: Die Aktie von BMW legte in der gleichen Zeit um mehr als 30 Prozent zu.

Einer allerdings kann das Jubiläum völlig gelassen auf seinem Landsitz begehen. Ex-Chrysler-Chef Bob Eaton hatte sich beizeiten mit einer exorbitanten Abfindung in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. hz/dpa

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