Wochenausblick: Wall Street zittert vor Bankbilanzen

Wochenausblick
Wall Street zittert vor Bankbilanzen

Die großen US-Banken legen in der kommenden Woche ihre Zahlen vor - und Börsianer zittern, sie könnten schlechter ausfallen als erwartet. Angesichts der Sorgen um eine Rezession in den USA dürfte jede Nachricht, die auf eine weitere Abschwächung hindeutet, die Kurse an den Aktienmärkten weiter ins Minus drücken.

HB NEW YORK. Einige Experten gehen davon aus, dass eine Erholung noch Monate auf sich warten lassen wird. Entscheidend ist nun, wie viele böse Überraschungen noch in den Büchern der Banken schlummern. Bereits im dritten Quartal hatten mehrere Kreditinstitute Milliardenbeträge abgeschrieben. Sowohl bei der Citigroup, die am Dienstag ihre Ergebnisse bekannt gibt, als auch bei Merrill Lynch, deren Bilanz am Donnerstag ansteht, werden weitere Milliardenverluste erwartet: Einem Bericht der "New York Times" zufolge könnte Merrill mit 15 Mrd. Dollar knapp doppelt so viel auf sein Hypothekenportfolio abschreiben müssen wie bislang befürchtet. Die Citigroup hatte bereits im November Verluste von elf Mrd. Dollar in Aussicht gestellt. "Auch wenn der Kalender voll mit Konjunkturdaten ist, dürfte sich alles um die Geschäftsergebnisse drehen", sagte Brandon Thomas von Portfolio Management Consultants.

Besonders die Daten, die Aufschluss auf die Inflation geben, werden wohl dennoch das Augenmerk der Marktteilnehmer finden. So wird am Mittwoch der Index der Verbraucherpreise vorgelegt. Sollten die Zahlen gut ausfallen, dürfte dies die Erwartungen beflügeln, dass die US-Notenbank Fed bei der Sitzung Ende Januar den Leitzins um 50 und nicht nur um 25 Basispunkte senke, sagte John Praveen, Chefstratege bei Prudential International Investments Advisers. Die entsprechenden Terminkontrakte preisen bereits eine Senkung um 0,5 Punkte ein.

Am Freitag hatten die US-Börsen dautlich nachgegeben - belastet von Rezessionsängsten nach schlechten Nachrichten aus dem Finanzsektor. Der Dow-Jones-Index schloss 1,9 Prozent tiefer bei 12 606 Punkten, der breiter gefasste S&P-500 gab 1,4 Prozent auf 1401 und der Technologie-Index Nasdaq zwei Prozent auf 2439 Stellen ab. Im Wochenvergleich verloren der Dow-Jones 1,5, der S&P-500 0,7 und die Nasdaq 2,6 Prozent.

Aufschluss über die Kauflaune der Amerikaner erwarten Börsianer aus den Zahlen zum Einzelhandel, die am Donnerstag vorgelegt werden. Es wird damit gerechnet, dass die Geschäfte der Händler im Dezember auf dem Niveau vom November waren, als sie um 1,2 Prozent zulegten. Die großen Ketten hatten zuletzt aber berichtet, dass das Geschäft in den Wochen vor Weihnachten enttäuschend schwach ausgefallen war. Auch die Zahlen zu den Baubeginnen im Dezember, die ebenfalls am Donnerstag vorgelegt werden, finden wohl das Interesse der Investoren. Einer Umfrage zufolge dürften bei 1,14 Mill. Häusern die Arbeiten begonnen haben, nach 1,19 Mill. im November.

Neben den Kreditinstituten legen weitere Schwergewichte ihre Bilanzen vor: Die Intel-Zahlen werden am Dienstag erwartet, IBM folgt am Donnerstag, General Electric am Freitag. Analysten gehen davon aus, dass die Gewinne bei den Unternehmen im S&P 500 im vierten Quartal um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sind. "Wenn die Bilanzsaison richtig loslegt, werden die Leute sehen, dass die Dinge schlimmer sind als sie dachten", sagte Jeff Buetow von XTF Global Asset Management. Weil seiner Ansicht nach die Aktienkurse im nächsten halben Jahr nicht steigen werden, rät er Investoren gar, Anleihen zu kaufen.

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