Zahlreiche Staatskonzerne lassen sich notieren – Bank of Communications setzt Rekordmarke
China drängt an die Börse Hongkong

Chinas Konzerne gehen an die großen Börsen. Am kommenden Donnerstag wird Geschichte geschrieben: Erstmals wagt eine der führenden chinesische Banken den Gang aufs internationale Parkett. Die Bank of Communications (BoComm) wird 5,85 Mrd. Aktien in Hongkong ausgeben und damit knapp 1,9 Mrd. US-Dollar einnehmen.

PEKING. Erst vor zwei Wochen hatte dort der größte Minenbetreiber Asiens, die chinesische Kohlegrube Shenhuan, mit einem Volumen von drei Mrd. Dollar den größten Börsengang in diesem Jahr hingelegt.

Für die Börse Hongkong wird der Juni so zum Supermonat. Für Ende des Monats hat sich die Containerreederei Cosco angesagt, die auf 1,65 Mrd. Dollar hofft. Bis Jahresende sollen weitere große Namen folgen – Filmstudios, Reedereien und Großbanken. Der Börsengang der China Construction Bank (CCB) dürfte dabei mit einem Volumen von 5,0 Mrd. Dollar eine neue Rekordmarke unter den in Hongkong gelisteten chinesischen Firmen setzen.

Insgesamt wird das Volumen der chinesischen Börsengänge in diesem Jahr auf 17 Mrd. Dollar geschätzt. Für Berater wie Goldman Sachs und die Deutsche Bank ist das ein lukratives Geschäft. Die Deutsche Bank baut seit einiger Zeit ihr Investmentgeschäft in China aus, auch bei Shenhua war der Frankfurter Konzern dabei. Zudem bereiten die Deutschen den Börsengang der ersten Privatbank im Land vor, der China Minsheng Bank.

Gerade mit Blick auf Börsengänge der chinesischen Top-Banken gilt der Schritt von BoComm als wichtiges Stimmungsbarometer unter den Investoren. „Das BoComm-Debüt ist besonders wichtig und wird sehr große Aufmerksamkeit bekommen“, sagt daher Andy Mantel von Pacific Sun Investment in Hongkong.

Wie groß das Interesse ist, zeigt, dass die Papiere rund 200mal überzeichnet waren. Sie kommen zu 2,50 Hongkong-Dollar auf den Markt, ein Ausgabekurs am oberen Ende der Preisspanne. Herbert Lau von Celestial Asia Securities: „Die Bank of Communication wird eine ganz heiße Sache.“

Doch die Börse Hongkong ist keineswegs ein Erfolgsgarant. Der Börsenstart von Shenhua verlief unerwartet schwach. Am ersten Handelstag sank der Kurs entgegen allen Erwartungen um 2,67 Prozent. Die Analysten hatten mit einem Plus von vier bis sechs Prozent gerechnet. Bei Börsengängen müssten die chinesischen Konzerne ihre Ausgabekurse genau überlegen, sagt daher Tat Au Yeung von Apex Capital in Hongkong. Denn viele Investoren sähen chinesische Aktien nicht als langfristige Anlage. Die Neuemissionen seien für viele Anleger nur interessant, meint auch Analyst Lau, weil es an der Börse Hongkong an attraktiven Aktien mangele und weil das Risiko eines großen Kurssturzes gering sei. Die Zeiten des schnellen Gewinns sind aber vorbei: Von den 14 Börsengängen seit Januar in Hongkong werden sechs noch unter dem Ausgabepreis gehandelt.

Vor allem der Bankensektor gilt unter Analysten als kritisch. Denn chinesische Börsengänge seien in dieser Branche fast immer „politisch motiviert“, sagt Andy Xie, Volkswirt bei Morgan Stanley in Hongkong. Zudem sehen die Experten die „faulen“ Kredite, auf denen die chinesischen Kreditinstitute sitzen, als Hypothek. BoComm habe viel Geld an Skandal-Firmen wie China Aviation Oil oder die D’Long-Gruppe gegeben, sagt Fondsmanager Mantel: „Und die Bank hatte etliche Fälle von Korruption.“

Immerhin hat die 1908 gegründete BoComm mit 2 800 Filialen und 45 000 Mitarbeitern den Anteil der „faulen“ Kredite auf 2,9 Prozent gesenkt. Der Branchenschnitt liegt noch bei 15 Prozent. Als größter Vertrauensbonus für BoComm gilt, dass der britische Finanzkonzern HSBC im vergangenen Jahr für 1,7 Mrd. Dollar einen Anteil von 19,9 Prozent gekauft hat. HSBC will im Zuge des Börsengangs weitere 1,16 Milliarden Aktien erwerben. Damit sei BoComm besser als andere chinesische Banken, meint Liu Yang, Fondsmanagerin bei Atlantis Investment Management in Hongkong: „Wer BoComm kauft, kauft auch ein Stück HSBC.“

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