Zahlungsschwierigkeiten
Der Tag, an dem Dubai die Welt erschütterte

Am späten Nachmittag des 25. November baten die Behörden des Emirats um einen teilweisen Zahlungsaufschub für den mit 59 Mrd. Dollar belasteten Staatskonzern Dubai World. Keine 24 Stunden später krachten die Börsen weltweit in den Keller. Das Schulden-Moratorium verbreitete eine Schocknachricht: Die Finanzkrise ist noch nicht überwunden.
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DUBAI. Selten ging ein Plan so schief wie das Kalkül der Regierung von Dubai. Am späten Nachmittag des 25. November baten die Behörden des Emirats um einen teilweisen Zahlungsaufschub für den mit 59 Mrd. Dollar belasteten Staatskonzern Dubai World. Die Rechnung war einfach: Das Land befand sich geistig schon in der Ferienwoche rund um das islamische Opferfest. Nach einigen Tagen hätten die Gläubiger die bittere Pille geschluckt, dachten die Scheichs.

Weit gefehlt. Keine 24 Stunden später krachten die Börsen weltweit in den Keller. Das mit rund 100 Mrd. Dollar in der Kreide stehende Dubai gewann für die internationalen Investoren eine Bedeutung, die weit über das klamme Emirat hinausreichte: Das Schulden-Moratorium verbreitete die Schocknachricht, dass die Finanzkrise noch nicht überwunden war. Auch die rohstoffreichen Länder des Nahen Ostens gerieten plötzlich in den Negativsog. Die Kreditausfall-Versicherungen für Abu Dhabi, Katar und Saudi-Arabien stiegen deutlich an. Das bislang sakrosankte Prinzip, dass der Staat im Notfall für öffentliche Firmen einspringt, hatte einen Knacks bekommen. Abu Dhabi zog die Reißleine: Das Öl-Imperium machte einen zehn Mrd. Dollar schweren Scheck locker. Dubai konnte so auf den letzten Drücker eine vier Mrd. Dollar teure Anleihe des Immobilienriesen Nakheel zurückzahlen. Prompt beruhigten sich die Börsen der Region, und die Finanzierungskosten schrumpften um die Panikaufschläge.

Deutsche Bau-Betriebe in Dubai bleiben trotzdem skeptisch. „Das Vertrauen ist erst einmal weg“, sagt Hannes Werner vom Ingenieurbüro Wanders Werner Falasi. An neue Projekte sei vorerst nicht zu denken. Die Zahl seiner Mitarbeiter hat Werner bereits von 13 auf acht reduziert. Weniger dramatisch sieht die Lage bei Firmen aus, die von Dubai aus den gesamten Nahen Osten bedienen. „Für große Unternehmen bleibt das Emirat trotz Schuldenkrise die zentrale Drehscheibe“, betont Stephan Rosenthal, General Manager von Bayer in Dubai. „Die Region ist ein enorm wichtiger Wachstumsmarkt, insbesondere Saudi-Arabien bietet hohes Potenzial.“

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent

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