„Zielrichtung der Banken-Kontrolle passt nicht zur Wertpapier-Überwachung“: Chef der Pariser Börsenpolizei kritisiert Struktur der BaFin

„Zielrichtung der Banken-Kontrolle passt nicht zur Wertpapier-Überwachung“
Chef der Pariser Börsenpolizei kritisiert Struktur der BaFin

Der Chef der französischen Börsenaufsicht Autorité des Marchés Financiers (AMF), Michel Prada, äußerte sich in einem Gespräch mit der französischen Wirtschaftszeitung La Tribune und dem Handelsblatt kritisch gegenüber Allfinanzaufsichten. Damit wandte er sich indirekt gegen die Konstruktion der Bundesaufsicht BaFin.

PARIS. In der deutschen Behörde sind die Aufsichtsbehörden für Banken, Versicherer und die Wertpapiermärkte zusammengefasst; nach der neuen Konstruktion der französischen Aufsichtsbehörden sind diese Funktionen getrennt. Die AMF hat ihre neue Organisation gestern der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Es ist besser, die Aufsicht über Finanzintermediäre wie Banken und Versicherer von der Aufsicht über die Finanzmärkte zu trennen, sonst kann es zu Interessenkonflikten kommen“, sagte Prada. Als möglichen Interessenkonflikt sieht der AMF-Chef, dass die Aufsichtsbehörden für die Risikoträger Banken und Versicherer lieber diskret handeln und mögliche Probleme hinter den Kulissen abwickeln wollen. Dagegen sei die Marktaufsicht daran interessiert, die Anleger rasch über die Finanzlage aller Emittenten zu informieren.

„Eine Allfinanzaufsicht lässt sich auch nicht wie die AMF mit einem Collège leiten, in dem alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden“, sagte Prada. Auf Grund der Komplexität der Fragen sei die Leitung einer Allfinanzaufsicht gezwungen, wichtige Entscheidungen an die Fachabteilungen zu delegieren. Dies wertet Prada als Nachteil.

Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistung (BaFin) kann die Kritik Pradas nicht nachvollziehen. „Die möglichen Interessenkonflikte sehe ich in dieser Form nicht; vielmehr bietet eine einheitliche Aufsicht eine Fülle an Synergie-Vorteilen“, sagte sie.

Seit vergangenem November sind in Frankreich die drei Vorläuferbehörden der Börsenaufsicht unter dem Dach der AMF vereinigt. Ihre Aufgabe besteht darin, die Anleger zu schützen, faire und schnelle Informationen sicherzustellen, Investmentprodukte wie Fonds zu überwachen und ein reibungsloses Funktionieren der Märkte sicherzustellen. Wichtigstes Gremium der AMF ist das 16-köpfige Collège, in dem Vertreter der Verfassungsorgane und der Finanzbranche sitzen.

Prada hält das französische Aufsichtssystem für „das beste der Welt.“ Als Beleg für diese Einschätzung führt er an, dass es bislang in Frankreich keine großen Finanzskandale à la Enron oder Parmalat gegeben hat.

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