Zinsen, Währung und Aktienkurse reagieren so, als ob das Volk nie abgestimmt hätte
Keine Neurose an Schwedens Märkten

„Business as usual“, sagte der schwedische Zentralbankchef Lars Heikensten am späten Sonntag Abend, als feststand, dass eine deutliche Mehrheit der Schweden in dem Referendum gegen die Einführung des Euro gestimmt hatte.

STOCKHOLM. Die Finanz- und Kapitalmärkte bewerteten die Entscheidung gegen den Euro ähnlich milde wie der Euro-Fan Heikensten. Die Händler betonten sogleich, dass ein „Nein zum Euro“ bereits im Kurs der Schwedischen Krone eingepreist war, auch wenn der deutliche Sieg der Euro-Gegner – die Mehrheit lag bei 56 % – denn doch überraschte. Denn nach dem Mord an der schwedischen Außenministerin und leidenschaftlichen Euro-Anhängerin Anna Lindh waren Meinungsforscher von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen.

Die Krone gab am Tag nach dem Referendum gegenüber dem Euro zunächst leicht nach, erholte sich aber wieder. Am Ende des Tages lag der Kurs mit 9,15 Kronen für 1 Euro nur 6,5 Öre höher als am Freitagabend. Auch gestern gab es keine dramatischen Schwankungen.

Die Rendite der 10jährigen Staatsanleihe stieg lediglich um 8 Basispunkte, der Risikoaufschlag kletterte damit um 0,06 % auf 57 Basispunkte gegenüber deutschen Staatstiteln mit gleicher Laufzeit. „Die Fundamentaldaten in Schweden sind zu gut, als dass es einen größeren Ausschlag hätte geben können“, sagt Analyst Jussi Hiljanen von Nordeuropas größter Bank, Nordea. Sein Institut geht sogar von einer Kronenstärkung aus. Bis Dezember dieses Jahres rechnet Nordea mit einem Kurs von 9,0 Kronen für 1 Euro. „Inflation, Wachstum, Arbeitslosigkeit – die Zahlen sind klar besser als im Euro-Raum“, sagt der Analyst.

Wichtig auch das Haushaltsdefizit: Die Neuverschuldung des Staates betrug im vergangenen Jahr nur 1,1 % des Bruttoinlandsprodukts.

Mats Nyman, Volkswirt bei Handelsbanken, geht mittelfristig davon aus, dass einige der großen Konzerne in Schweden ihre Exporteinnahmen in Kronen tauschen und so die schwedische Währung stärken.

Die Bank ABN Amro in Stockholm geht deshalb davon aus, dass die 10jährigen Staatsanleihen mittelfristig gute Renditen abwerfen können, nachdem die schwedische Regierung am 22. September ihren Haushalt präsentiert. Die Staatsverschuldung, schätzt die Bank, wird von bisher 115 Mrd. Kronen auf rund 90 Mrd. Kronen zurückgehen.

Nach dem Referendum erklärte auch die Ratingagentur Fitch Ratings, dass sie mit einer Stärkung der Staatsfinanzen rechne. Ihr Rating belässt die Agentur deshalb bei AA+.

Und auch die Aktienmärkte reagierten auf das Ergebnis des Referendums gelassen. Die Aktien der großen Banken legten deutlich zu. Analysten sagten, die Banken hätten bei einer Euro-Einführung zu den Verlierern gezählt, weil die Notenbank die Leitzinsen nach unten hätte anpassen müssen. Dann hätten die schwedischen Banken mit einem geringenen Zinsertrag leben müssen. Durch das Nein der Schweden zum Euro bleibt der Zinsunterschied bestehen, was sich positiv auf die Erträge der Geldhäuser auswirkt. Am stärksten legte SEB zu, der Titel stieg um 3 %.

Dennoch gibt es auch Verlierer: „Die Aktien der IT-Industrie sind gefallen“, sagt Analyst Nyman von Handelsbanken. Unternehmen wie WM Data hätten zu den Euro-Gewinnern gezählt, da das Unternehmen als einer der Hauptlieferanten für neue IT-Systeme gilt, die die Banken zur Umstellung auf die neue Währung hätten einführen müssen. Die IT-Unternehmen WM Data, Modul 1 und Turnit gaben am Montag zwischen 3 und 7 % nach.

Nyman rechnet auch in den nächsten Wochen weder an den Devisen- noch den Aktienmärkten mit „größeren Reaktionen“, die aus der Ablehnung des Euro resultieren.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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