Zinsentwicklung im Fokus
Dax-Ausblick: Anlegern wird’s mulmig

Der Dax hat schon wieder die Marke von 8 000 Punkten überwunden und ein neues Jahreshoch erreicht. Beobachter trauen sich schon kaum noch, weitere Vorhersagen zu machen. In einem sind sie sich aber einig: Nach der beeindruckenden Rally in dieser Woche dürfte etwas Ruhe am deutschen Aktienmarkt einkehren.

HB FRANKFURT. Nach der deutlichen Kurserholung können die Anleger relativ gelassen in die zweite Juni-Hälfte gehen, glauben Marktstrategen. Wegweisende Unternehmens- und Konjunkturdaten stehen in der nächsten Woche nicht an. „Störfeuer dürfte es daher kaum geben“, sagt Kai Stefani, Kapitalmarktanalyst bei Allianz Global Investors, voraus. „Der Dax wird auf dem Weg nach oben aber einen Gang runter schalten.“ Den Dax weiter in robuster Verfassung sieht Aktienstratege Tim Sommer: „Es ist eine Menge Liquidität da“, meint der Experte von der BHF-Bank. Boris Boehm, Fondsmanager bei Nordinvest, zeigt sich allerdings vorsichtiger. „Leider lässt sich der Anstieg diese Woche nicht für die nächste Woche fortschreiben“, erklärt er. „Die Belastungsfaktoren bleiben bestehen.“

An den Börsen ist nun erst einmal Ruhe eingekehrt. Der Markt werde etwas Zeit brauchen, um die geballte Datenlage zu verarbeiten, meinen Händler. Die überraschenden Kurswendungen der zurückliegenden drei Wochen werden als Ausdruck einer allgemeinen Verwirrung gewertet. Die derzeit beschworene Angst vor steigenden Zinsen sei nicht mit der Rally vom Freitag in Einklang zu bringen. Kaum ein Marktteilnehmer traue sich derzeit, längerfristige Prognosen zu machen, heißt es am Markt. Mit der Abwicklung des großen Juni-Verfalltags an den internationalen Börsen werde nun dem Markt die nötige Ruhepause gewährt. Für die Kurse der kommenden Woche dürfte dies ein sanftes Abgleiten auf hohem Niveau bedeuten.

Viele Beobachter gehen nun davon aus, dass die Jahre der schnellen Erholung, die seit 2003 den Börsen viel Auftrieb gegeben haben, erst einmal vorüber sind. Die Aktienbörsen befinden sich nun in einer Übergangsphase. Aktienstrategen sehen eine Konkurrenz aufkommen zwischen Unternehmensgewinnen und Zinsanstieg. Solange die Gewinne schneller steigen als der Zins, bleibt die Situation für Aktien freundlich. Die Hauptaufmerksamkeit werden Marktteilnehmer nun jedoch auf die Entwicklung am Rentenmarkt und auf die Zins- und Inflationsentwicklung richten. Die Renditen der Renten sind zuletzt kräftig angestiegen. Wie bedeutsam solche Zahlen für den Aktienmarkt sind, zeigten bereits die Schockreaktionen auf den raschen Anstieg der US-Zinsen. Mit dem ebenso heftigen Kursanstieg nach dem Konjunkturbericht der US-Notenbank (das „Beige Book“) und dem überraschend geringen Anstieg der US-Verbraucherpreise habe sich umgekehrt nur die Erleichterung Luft gemacht, heißt es weiter. Das wirke jedoch nur kurzfristig.

Auch die Entscheidung der japanischen Notenbank vom Freitag, die Zinsen nicht zu erhöhen, wurde mit Freude begrüßt. Immerhin betrachten viele Händler deren Zins als quasi „Weltzins“. „Die halbe Welt hat sich zu den billigen japanischen Konditionen verschuldet und in Aktien angelegt“, sagt ein Händler. Eine überraschende Erhöhung könnte die Aktienmärkte regelrecht abschießen. Die Auswirkungen von Notenbank-Aussagen seien sehr viel langfristiger als ein paar gute US-Wirtschaftsdaten. Von Japan, Europa bis hin zu den USA warnen die Banker vor Überspekulation und zu geringer Beachtung von Risiken. „Da es keine ‚Welt-Notenbank’ gibt, sollte das als konzertierte Aktion der Einzel-Banken ernst genommen werden“, so der Händler.

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