Zwei Börsengänge im Februar sollen die Bilanz verbessern
Die Hoffnungen der Wiener Börse ruhen auf Osteuropa

Mit Beginn der Zeichnungsfrist für die Aktien des österreichischen Biotechunternehmens Intercell verzeichnet die Wiener Börse seit Montag ihren ersten offiziellen neuen Kandidaten. Bereits in der nächsten Woche soll mit dem auf Gewerbeimmobilien spezialisierten Unternehmen Eco Business Immobilien der nächste Kandidat ins Rennen gehen.

WIEN. Das Mindestziel von Börsenvorstand Michael Buhl, der die Zahl der Börsengänge in Wien in diesem Jahr verdoppeln will, wird damit voraussichtlich bereits im zweiten Monat des Jahres erfüllt sein. Im vergangenen Jahr konnten die Wiener nur einen einzigen Neuzugang verzeichnen.

Buhl hatte nach seinem Amtsantritt zu Jahresbeginn eine Initiative angekündigt, um mehr Unternehmen in Wien an die Börse zu bringen. „Wir planen gemeinsame Aktivitäten mit österreichischen Unternehmerverbänden auf Informations- und Lobbyingebene“, sagte Buhl. Er verknüpfte dies mit Forderungen an die Politik – unter anderem schlägt er vor, die Erbschaftssteuer zurückzuerstatten, wenn ein Unternehmen nach einem Generationswechsel an die Börse geht.

Weil aber offizielle Reaktionen von Regierungsseite auf sich warten lassen, und weil auch Buhl weiß, dass die Börse selbst die Anzahl der Börsengänge kaum beeinflussen kann, konzentrieren sich die Wiener wie ihre Kollegen in Westeuropa auf ein anderes Thema: die Börsenkonzentration. Bereits im vergangenen Jahr haben die Manager der Wiener Börse mit dem Vorstand der Börse Bukarest ein Kooperationsabkommen unterzeichnet. Zunächst wollen sie im Indexbereich zusammenarbeiten. Wenn die Börse in diesem Jahr privatisiert wird, besteht auch für die Wiener eine Beteiligungsmöglichkeit.

An der Börse im Nachbarland Ungarn haben sich die Wiener gemeinsam mit einem Bankenkonsortium bereits beteiligt: Seit Mai 2004 gehören ihnen 68,6 Prozent der Börse in Budapest. In diesem Jahr haben die Wiener außerdem Warschau auf dem Plan. Dabei geht es nicht immer um Beteiligungen. „Es ist nicht unser Bestreben, uns an allen Börsen Mitteleuropas einzukaufen“, sagt Buhls Vorstandskollege Stefan Zapotocky. Die Wiener Börse sehe sich vielmehr als „Brückenkopf Mitteleuropas“.

Bislang sind die Wiener mit diesem Modell nicht schlecht gefahren. Die Börsenkapitalisierung des Marktplatzes Wien hat sich auch wegen der Osteuropa-Funktion der Börse innerhalb von drei Jahren auf 64,6 Mrd. Euro verdoppelt. Der Leitindex ATX kletterte im vergangenen Jahr um 57 Prozent – womit die Luft aber langsam dünner werden dürfte. In diesem Jahr sehen Analysten wie etwa die der Ersten Bank und der Raiffeisen Centrobank den ATX zum Jahresende bei einem Stand von 2 700 Punkten, was einer Steigerung von zehn Prozent entspräche.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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