Aktie hat trotz schwacher Verkehrszahlen Potenzial
Lufthansa beachten!

Konjunkturkrise, Irak-Krieg und SARS haben die Deutsche Lufthansa 2003 in eine der größten Krisen der Firmengeschichte geworfen.

DÜSSELDORF. Noch immer kann die Airline keine Entwarnung geben: Im August beförderte die Lufthansa erneut weniger Passagiere als im Vorjahr. Die Auslastung der Flieger sank im Jahresvergleich um 1,3 Prozentpunkte auf 75,4 Prozent. Noch schlechter entwickelte sich das Frachtaufkommen bei Lufthansa Cargo. Dieses sank um 5,2 Prozent auf 124 000 Tonnen.

Die Zahlen zeigen, dass Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber eine Menge Arbeit vor sich hat. Doch die besondere Situation gibt dem neuen Mann auf dem Chefsessel gleichzeitig die Chance, sich als Mann der Wende zu profilieren. Denn trotz der negativen Verkehrszahlen überwogen zuletzt die guten Nachrichten: Zunächst überraschte die Lufthansa die Finanzwelt mit einem operativen Gewinn von 65 Millionen Euro im zweiten Quartal. Dann wurde bekannt, dass Schritt für Schritt die Kapazitäten – vor allem auf den wichtigen Asien-Strecken – wieder erhöht werden und schließlich arbeiten die 12 000 Mitarbeiter des Lufthansa-Bodenpersonals, die zeitweise auf Kurzarbeit gesetzt worden waren, seit dem 1. September wieder das volle Pensum.

Weil Kostendisziplin bei der Lufthansa nach wie vor groß geschrieben wird, deuten Branchenbeobachter gerade die Ausdehnung der Arbeitszeiten als ein Zeichen dafür, dass der Konzern das Allerschlimmste überstanden hat. Der Vorstand kann sich auf die Fahne schreiben, dass er mit hoher Flexibilität und striktem Kostenmanagement einen noch tieferen Sturz in die Krise abgewendet hat.

Auch im europäischen Flugverkehr hat das Management die Zeichen der Zeit erkannt: Als Reaktion auf den Preisdruck durch Billigflieger wird die Lufthansa im November ihr „Zukunftssicherungsprogramm Kontinentalflugverkehr“ vorstellen. Dieses soll neue Lösungen zur Effizienzsteigerung aufzeigen, mit denen der Verfall der Durchschnittserlöse im Europa-Geschäft gestoppt werden soll.

Anschließend kann sich das Management den weiteren Baustellen im Konzern widmen: Weder die Catering-Tochter LSG Skychefs noch das Frachtgeschäft oder die Beteiligung an dem Reiseveranstalter Thomas Cook machten dem Vorstand zuletzt Freude. Vielleicht hat dieser sich auch deswegen bisher nicht dazu durchgerungen, seine vorsichtige Prognose für das Gesamtjahr 2003 aufzugeben und rechnet weiter mit einem operativen Minus. Hinter vorgehaltener Hand spekulieren Branchenbeobachter aber bereits, dass die Fluglinie doch schon Ende des Jahres operativ wieder in der Gewinnzone liegen wird.

An der Börse halten sich die Anleger mit neuen Käufen im Moment zurück, nachdem die Lufthansa-Aktie seit ihrem übertriebenen Absturz bis auf 6,87 Euro im März kräftig aufgeholt hat und mittlerweile an der Börse wieder fast doppelt so viel Wert ist. In den vergangenen Tagen setzten Gerüchte um einen Einstieg der Lufthansa bei der angeschlagenen Schweizer Swiss sowie die Meldung über einen neuen SARS-Fall in Singapur den Kurs wieder unter Druck. Auf kurz oder lang werden jedoch die operativen Fortschritte und die blitzsaubere Bilanz der Lufthansa wieder in den Vordergrund rücken. Auf einem Niveau von 12,50 Euro scheint die Aktie dann nach wie vor sehr attraktiv bewertet. Den fairen Wert der Aktie sehen eine Reihe von Analysten bei 15,50 bis 16 Euro – verglichen mit dem aktuellen Kursniveau wäre dies ein Aufschlag von bis zu 30 Prozent.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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