Aktie von Norilsk Nickel bietet Kursphantasie
Metall-Boom ausgelöst

Wieder so eine Zungenbrecher-Aktie aus Russland und wieder die Frage kaufen oder nicht kaufen? Denn die Gorno-Metallurgicheskaya Kompaniya Norilskiy Nickel (Norilsk Nickel) notiert in Frankfurt bereits auf einem Höchststand.

HB MOSKAU. An der Moskauer Börse setzten derweil heftige Gewinnmitnahmen den Kurs der Metall-Papiere unter Druck. Doch Analysten setzen weiter auf den Titel des größten börsennotierten russischen Metallproduzenten.

Seit Jahresbeginn haben die Norilsk-Aktien bereits 83 % an der Moskauer Börse zugelegt und somit zweieinhalbmal so viel wie der russische RTS-Index. Deshalb sehen die Moskauer Investmentbanken Nikoil und Renaissance Capital die Norilsk-Aktien auch nur noch in Halteposition, die Luft sei dünn geworden beim weiteren Aufstieg auf den Kurs-Berg. Das Moskauer Brokerhaus Aton hingegen rät beim weltgrößten Nickelförderers weiter zum Kauf, ebenso wie das Moskauer Geldhaus Vereinte Finanzgruppe (UFG), das auf Sicht von zwölf Monaten ein Kursziel von 46,6 $ für die Aktien gesetzt hat.

UFG-Fondsmanager Florian Fenner begründet seine Kaufempfehlung: „Wenn die Konjunktur weltweit im zweiten Halbjahr anzieht, setzt das klare Wachstumsphantasien für Norilsk Nickel frei.“ Denn der Anteil der russischen Hütte an der Weltproduktion von Nickel liegt bei 22 %, bei Platin bei 14 % und bei Palladium sogar bei 45 %. Hinzu kommt die Gewinnung von Kobalt und Kupfer. Norilsk Nickel (NorNickel) gehört zum Interros- Imperium des Oligarchen Wladimir Potanin, der als Vize-Premierminister unter Präsident Boris Jelzin die Privatisierung großer Öl- und Metallkonzerne an die Oligarchen genannten politisch einflussreichen Großunternehmer mitgestaltet hatte. Der Konzern steht heute für 4,3 % aller russischen Exporte und erwirtschaftet 1,9 % des boomenden Bruttoinlandsproduktes.

Gerade die Metalle der Platin- Gruppe sind stark konjunkturabhängig – da sie vorwiegend in der Katalysatortechnik beim Automobilbau eingesetzt werden: Steigt der Kfz- Absatz, so zieht auch die Nachfrage nach Platin und Palladium an. Bei Palladium, wo die Förderung zu 61 % von der Auto-Industrie verbraucht wird, bekommt der Weltmarktführer aus dem hohen russischen Norden Rückenwind vom weltgrößten Autokonzern General Motors (GM): Nach einem Preisabsturz des Palladiums von 1085 $ pro Unze zu Beginn des Jahres 2001 auf 170 $ Mitte diesen Jahres, zieht der Preis inzwischen wieder ein wenig an. Da GM inzwischen wieder Palladium statt des fast viermal so teuren Platins einzusetzen will.

Während der schwache Palladium-Preis im vorigen Jahr zu einem um 29 % auf 3,1 Mrd. $ verringerten Umsatz bei NorNickel geführt hat, erwartet die Moskauer Alfa-Bank für die kommenden Jahre wachsende Erlöse: Der Reingewinn werde von 315 Mill. $ im vorigen Jahr in 2003 auf 708 Mill. und 2004 sogar auf 740 Mill. $ steigen. Auch beim Nickelabsatz gibt es positive Vorzeichen: Laut der australischen Consulting-Gruppe AME zieht vor allem die Nachfrage aus China jährlich um 30 % an. „Der Angebotsmangel bei Nickel nützt dabei besonders Norilsk, deshalb bekräftigen wir nochmals unsere Kauf-Empfehlung“, resümiert Alex Kantarowitsch von Aton.

Zusätzliche Hoffnungen kommen durch die Übernahme des US- Konzerns Stillwater Mining durch die Russen. Die Norilsker Produktion erhält damit ungehinderten Marktzugang nach Amerika. Phantasie weckt auch der Einstieg in die Goldförderung: Der Minen-Gigant hat vorige Woche die Kontrolle über Russlands größten Goldproduzenten, OAO Matrosov, bekommen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%