Aktien werden trotz stagnierender Kurse immer billiger
Die Kraft der Ruhe

Den Aktionären ist langweilig. Seit über einem halben Jahr treten die Kurse auf der Stelle. Wer aber daraus schließt, dass die Börsen stillstehen, weil Aktien angemessen und fair bewertet sind und es fairer nicht mehr geht, irrt. Denn die Bewertungen ändern sich auch dann, wenn die Kurse gleich bleiben. Tatsächlich werden deutsche Aktien Tag für Tag günstiger, weil die Unternehmen immer mehr verdienen.

DÜSSELDORF. Vorbei sind die Zeiten, als der Deutsche Aktienindex (Dax) an einem Tag fünf Prozent gewann oder verlor – und damit mehr schwankte als manchmal in einem Monat. Der Volatilitäts-Index (VDax), der die erwarteten Schwankungen an den Börsen misst, belegt die derzeitige Stille. Der VDax notierte zuletzt so niedrig wie seit acht Jahren nicht mehr und drückt damit viel Ruhe und Gelassenheit aus.

Doch was viele Anleger im High-Tech-Boom und in der anschließenden Baisse lange Zeit vergeblich herbeisehnten – ruhigere Börsen –, ist jetzt vielen Anlegern des Guten zu viel. Die große Berechenbarkeit oder „Seitwärtsbewegung in engen Handelsspannen“, wie es im Börsenjargon heißt, verscheucht Spekulanten und Spielernaturen. Sie verdienen mit ihren kurzfristigen Wetten immer schwieriger Geld. Die geringen Börsenumsätze in den vergangenen Wochen belegen das nachlassende Interesse.

Dabei geschieht an den Börsen derzeit Erstaunliches – trotz des Stillstands in allen großen Indizes wie Dax, Euro Stoxx und Dow Jones. Nicht nur, dass einzelne Werte heftig schwanken. So legten der Reifenhersteller Continental und der Energieversorger RWE seit Januar gut 25 Prozent zu; auf der anderen Seite verloren Volkswagen und Hypo-Vereinsbank mehr als 20 Prozent. Doch noch interessanter ist, dass sich seit Jahresanfang die meisten Aktien erheblich verbilligt haben, auch wenn ihre Kurse stagnierten.

Beispiel Dax: Das Kurs-Gewinn- Verhältnis für die 30 Werte verringerte sich zwischen Januar und Juli von etwas mehr als 16 auf 14. Wurde also für Aktien Anfang des Jahres noch 16mal soviel bezahlt wie die Unternehmen 2005 pro Anteilsschein (vermutlich) verdienen werden, so muss man dafür heute noch 14mal so viel ausgeben. Das ist einigermaßen günstig. Seit 1985 liegt das Dax-KGV durchschnittlich bei 16. Im Mittel der vergangenen 40 Jahre beträgt der Wert 15.

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