Aktienkauf
Trügerisches Bauchgefühl

Anleger sind gierig oder ängstlich. Gerade an wichtigen Wendepunkten des Marktes regiert das Bauchgefühl. Doch die Intuition trügt häufig beim Kauf von Aktien oder Silber.
  • 1

EdinburghDer Steinzeitanleger der nur seinem Instinkt folgt, läuft stracks ins Verderben. An Börsentiefpunkten bei desolater Stimmung verkauft er aus Angst, an Höhepunkten wird auch er noch gierig und steigt ein. Anders herum hätte er es richtig gemacht. Aber psychologisch ist es schwierig, sich einer allgemeinen Stimmung zu entziehen.

Heute läuft der Anleger noch größere Gefahr als früher. Technik beschleunigt das Geschehen. Die Telefonorder für ein Wertpapier ist längst möglich. Der Investor kann sogar wie ein professioneller Wertpapierhändler agieren. Immer mehr Deutsche „traden“ per Computer, kaufen und verkaufen Aktien oder andere Vermögensgegenstände per Maus-Klick.

Der Trend ist auch psychologisch angeschoben. Es ist ähnlich wie im Sport, sei es Ski fahren, Langlauf, Fußball spielen. Man ist dabei, mitten im Geschehen, allein oder mit anderen, immer in Bewegung. Psychologen (und natürlich alle Sportler) können erklären, wie viel innere Befriedigung das bereitet.

Vor Fehlentscheidungen schützt nur harte Selbstdisziplin

Im Gegensatz zum Sport geht es an der Börse aber um hart verdientes Geld. Wer beispielsweise in den vergangenen Wochen bei Edelmetallen oder sogar beim exzessiv gestiegenen Silber noch einige schnelle Euro machen wollte, der ist erst einmal ins offene Messer gelaufen.

Vor Fehlentscheidungen schützt man sich am besten durch harte Selbstdisziplin. Joachim Klement von der Anlagefirma Wellershoff & Partners beispielsweise empfiehlt ein Investment-Tagebuch. Darin notiert der Anleger jeden Kauf und Verkauf, die Gründe der Entscheidung und die möglichen Risiken. So erkennt der Anleger später, welche Fehler er gemacht und was er falsch eingeschätzt hat. Der Lerneffekt ist garantiert. So wird Erfahrung aufgebaut.

Es gibt Alternativen. Die meisten Anleger wollen gar nicht selbst mitspielen. Sie geben die Aufgabe an einen Berater ab oder kaufen einen Fonds. Damit das Problem allerdings nicht vom Tisch. Auch der Berater oder Fondsmanager ist ein Steinzeitmensch.

Wie beim Privatanleger ist der Profi um so erfolgreicher, je erfahrener er ist. Daten belegen, dass viele alte Hasen vor dem Platzen der Internet-Aktienblase kurz nach der Jahrtausendwende, rechtzeitig in die Defensive gingen. Die Newcomer ihres Fachs dagegen fuhren ihre Depots vor die Wand. Erfahrung macht zwar nicht den Meister, aber sie kann vor den Großrisiken schützen.
narat@handelsblatt.com

Kommentare zu " Aktienkauf: Trügerisches Bauchgefühl"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Selbst einfachste Indikatoren wie die 200 bzw. 300-Tage-Linie hätten genügt.
    Die letzten 15 Jahre seit 1995 trotz den beiden Crashs 2000-2003 und 2008-2009 brachten beim DAX jährlich 7,1% und mit Trendfolge (300-Tage-Linie) 12,3 % pro Jahr. Also besser dem Trend folgen, als den Bauch zu befragen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%