Aktionärsabstimmungen bleiben oft folgenlos
Arroganz der Macht

In der zu Ende gehenden Saison der Hauptversammlungen haben Aktionäre gelegentlich schon mal ordentlich auf den Putz gehauen. Doch in Deutschland blieben Proteste gegen Mauscheleien bei der Aufsichtsratswahl, schwache Managementleistungen oder üppige Vorstandsgehälter meist ohne personelle Folgen. Dagegen haben die Investoren anderswo tatsächlich etwas bewegt.

HB DÜSSELDORF. So haben Kleinanleger des Kanaltunnelbetreibers Eurotunnel den Vorstandschef Richard Shirref unter lautem Gejohle mit mehr als 60 Prozent der Stimmen aus dem Amt gejagt. Zu einer der größten Hauptversammlung, die je in Frankreich stattgefunden hatte, waren vor allem französische Anteilseigner gekommen. Sie hatten die Faxen dicke: die Aktie hatte 90 Prozent ihres Ausgabewerts verloren und noch nie eine Dividende abgeworfen.

Ähnlich musste Disney-Vorstand Michael Eisner seinen Posten als Chef des Verwaltungs- und Aufsichtsgremiums (Board) aufgeben, nachdem ihm 43 Prozent der Aktionäre ihre Stimme verweigert hatten. Anlegerproteste auch beim britischen Pharmakonzern GlaxoSmithKline: Dort durfte Vorstandschef Jean-Pierre Garnier, der sich ein ausgesprochen großzügiges Gehalt genehmigt hatte, zwar Lohn und Amt behalten, das großzügige Abfindungspaket von 33 Millionen Euro für den Fall seines vorzeitigen Abgangs aber wurde von den Aktionären gestrichen.

In Deutschland dagegen bleiben Willensbekundungen der Aktionäre meist ohne Folgen. So stimmten auf dem Aktionärstreffen des Bekleidungsherstellers Hirsch 54 Prozent der vertretenen Stimmen gegen die Entlastung des Vorstands Mathias Andresen und protestierten damit gegen die kontinuierlich fallenden Umsatz- und Gewinnzahlen des Unternehmens. Doch der Aufsichtsrat wagt es nicht , den Großaktionär Andresen abzusetzen.

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