Aktionärswechsel eröffnet Rheinmetall neue Chancen
Wieder Phantasie

Der Düsseldorfer Autozuliefer- und Rüstungskonzern Rheinmetall stand über Jahre in der Kritik der Analysten: Das Management mache zwar nichts falsch, es fehle der Strategie aber die nötige Phantasie. Die ist nun da.

DÜSSELDORF. Nachdem sich Rheinmetall von einem industriellen Bauchladen zu einem auf die Bereiche Automobilzulieferung und Rüstung fokussierten Konzern verschlankt hat, ist nun die Bremse für Wachstum im größeren Stil weggefallen: Die Industriellenfamilie Röchling hat ihre Mehrheitsbeteiligung von 42 Prozent an institutionelle Anleger verkauft. Damit hat der Konzern die Hände frei, um die nötige finanzielle Kraft für die längst überfällige Übernahme des anderen großen Heerestechnik-Herstellers in Deutschland zu generieren: Krauss-Maffei Wegmann (KMW).

Der Zeitpunkt dafür ist gut: In Europa werden gerade Pläne für eine weitere Konsolidierung der Rüstungsindustrie geschmiedet. Deutschland, das ist der klare Wille der Bundesregierung, soll sich dabei die Führungsposition in der Heerestechnik sichern. Für einen Verbund Rheinmetall/KMW dürfte das kein Problem sein.

Aber was bedeutet ein Zusammengehen für Rheinmetall? Die Fusion zu managen, dürfte für den Konzern keine Schwierigkeit darstellen. Die Partner kennen sich aus zahlreichen gemeinsamen Projekten, ihre Kulturen unterscheiden sich kaum. Die heute noch dominierende Autozuliefersparte Kolbenschmidt-Pierburg würde zugunsten der Rüstungsaktivitäten in den Hintergrund rücken. Sie wird aber nicht marginalisiert. Das ist wichtig, denn die Autoaktivitäten haben durchaus Wachstumspotenzial, das Rheinmetall zur Zeit vor allem in Asien sieht. Ein starkes zweites Standbein sorgt zudem dafür, dass der Traditionskonzern nicht vollständig von der sehr politischen Konjunktur der Rüstungswirtschaft abhängig wird.

Ob Rheinmetall damit langfristig im Autozuliefergeschäft bleibt, ist nicht abzusehen. Das hängt auch damit zusammen, wie die weiteren Konsolidierungsrunden in Europa ablaufen werden.

Wichtig für die Perspektiven einer „EADS der Heere“ ist natürlich auch, ob sich Europa auf harmonisierte Exportrichtlinien für Rüstungsgüter, gemeinsame Forschungsprojekte und eine Liberalisierung des Marktes für Militärtechnik verständigen kann. Die Weichen dafür werden zwar heute gestellt, doch über einen Erfolg lässt sich bestenfalls spekulieren. So verfügt Frankreich mit dem staatlichen Giat-Konzern noch über größere heerestechnische Aktivitäten.

Rüstung ist eine schwieriges Geschäft, doch Rheinmetall hat gerade mit KMW zusammen ein wichtiges Projekt gestartet, das auch im Export Erfolg haben könnte: den Schützenpanzer „Puma“. Den Nachfolger des Modells „Marder“ hat das Konsortium um Rheinmetall und KMW in einem für die Branche sportlichen Zeitraum von drei Jahren entwickelt. Insgesamt könnte daraus ein Auftragswert von bis zu drei Milliarden Euro Wert erwachsen – wenn das deutsche Parlament 2007 zustimmt.

Wann Rheinmetall die neue Phantasie erfüllt, ist offen. Als nächster Schritt steht die Umwandlung der bisher nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien an. Dies soll zur nächsten Hauptversammlung im Mai kommenden Jahres geschehen. Dadurch würde der Konzern nach Ansicht von Bankern im Nebenwerteindex MDax in die Top-Gruppe aufrücken.

Eines ist sicher: Die 75 Anleger, die das Paket der Familie Röchling erworben haben, wollen einen Lohn ihrer Investition sehen. Viele von ihnen mögen weiteren Veränderungen bei Rheinmetall daher offen gegenüberstehen. Der Konzern ist dafür gut aufgestellt: Im vergangenen Quartal hat er mit weniger Umsatz als im Vorjahr seinen Gewinn um fast 70 Prozent gesteigert. Für die Rheinmetall-Aktien heißt das: Sie haben noch Potenzial nach oben.

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