Alternative Anlagen
Hitzewelle an den Märkten

Wie sich die Bilder gleichen: Die Hitzewelle in Deutschland trieb die Temperaturen hier zu Lande wieder mal auf Rekordhöhen, die Preise vieler Vermögensobjekte ziehen mit. Es geht dabei um weniger gängige Anlagen – zumindest für Durchschnittsverdiener. Die wirklich Reichen kaufen auch jenseits von Börsen ein: Wein, Pferde, Kunst oder superteure Automobile. Und hier jagt ein Rekord den anderen.

FRANKFURT. Reich sein war deshalb noch nie so kostspielig wie heute, sagt schmunzelnd der Texaner John Mauldin. Die These des in Insiderkreisen bekannten Querdenkers und Chefs der Beratungsfirma Millennium Wave Advisors: Preisexzesse bei diesen exotischen Anlagen waren immer ein guter Frühindikator für eine abrutschende Wirtschaft und damit schlechteres Börsenklima.

An Signalen für Exzesse ist kein Mangel. Zum ersten Mal werden aktuelle französische Spitzenweine für 1 000 Dollar die Flasche gehandelt. Es geht um die Rebenernte aus dem vergangenen Jahr – die Flaschen kommen erst im Jahr 2008 auf den Markt. Ein Vermittler in Bordeaux beliefert Kunden in New York, die 20 Millionen Dollar im Jahr verdienen und schon Dutzende Flaschen geordert haben. Ein traditioneller Anleger wird immerhin einräumen: Wenn an der Börse gar nichts mehr geht, ist Wein wenigstens die liquideste Anlage.

Oder Rennpferde. Vor kurzem wechselte ein Tier auf einer Auktion in Florida für sagenhafte 16 Millionen Dollar den Besitzer. Bis zu diesem Betrag hatten sich ein englischer Interessent und ein Scheich aus Dubai ein hitziges Bietgefecht geliefert. Das Objekt der Begierde ist übrigens noch kein einziges Rennen gelaufen – ein weiteres Signal für eine Überhitzung.

Auch am Kunstmarkt überschlagen sich die Ereignisse. Vor wenigen Wochen zahlte ein Käufer für ein Porträt des bekannten Malers Gustav Klimt den Rekordpreis von 135 Millionen Dollar. Bisher führte ein Werk von Picasso, das vor zwei Jahren für 104 Millionen Dollar einen neuen Eigentümer gefunden hatte. Noch greller verlief die diesjährige Baseler Kunstmesse, auf der beispielsweise ein simples Objekt bestehend aus einem Stück schwarzem Tuch mit über einer Million Dollar ausgeschrieben war.

Auch die Preise für historische Automobile laufen heiß. Der legendäre britische Fußballer George Best konnte sich zwar High-Society-Eskapaden leisten und vollmundig verkünden: „Ich gab mein ganzes Geld für Autos und Frauen aus, den Rest habe ich einfach verschwendet.“ Erdverbundene Anleger sollten allerdings die Warnung Mauldins im Hinterkopf behalten. Der amerikanische Häusermarkt beginnt deutlich zu schwächeln. Das dürfte die Wirtschaft und in diesem Zuge die Aktienkurse an der Wall Street belasten. In diesem Umfeld müssten erstklassige Anleihen die bessere Alternative sein – zumindest auf kürzere Sicht.

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