Analysten sehen nicht mehr viel Spiel bei Ausrüstern
Ericsson wieder top

Man fühlt sich an andere Zeiten zurückerinnert: Kursanstiege von mehr als 100 % in einer Branche, die bis vor kurzem als Synonym für Untergang und Krise stand.

STOCKHOLM. Wer vor einem Jahr Aktien des damals schwer angeschlagenen schwedischen Telekommunikationsausrüsters Ericsson gekauft hat, kann sich heute über eine satte Rendite freuen. Der Kurs des Papiers ist in den vergangenen 12 Monaten um rund 105 % gestiegen. Allein in den vergangenen sieben Tagen zog die Aktie um 20 % an. Ericsson-Chef Carl-Henrik Svanberg kaufte als Zeichen seines Vertrauens in das Unternehmen bei Amtsantritt vor einem Jahr einen ansehnlichen Posten Ericsson-Papiere: Heute ist er um mindestens 150 Mill. Kronen (16,3 Mill. Euro) reicher.

Mit dem Kursanstieg hat sich Ericsson wieder die Stellung als Schwedens größtes Unternehmen zurückerobern können. Der Börsenwert des Konzerns beträgt derzeit rund 260 Mrd. Kronen (28,3 Mrd. Euro).

Alles also eitel Sonnenschein? Nein. Sicher ist, dass sich die Branche ganz allmählich von dem Investitionsstau bei den großen und zumeist hochverschuldeten Telekom- Konzernen erholt. Ganz vorsichtig wird wieder in den Ausbau von Mobilfunknetzen investiert.

Doch der jetzige Kursanstieg bei mehreren bedeutenden Telekommunikationsausrüstern sagt nichts über die nähere Zukunft aus. Denn eines darf nicht vergessen werden: Das Kursfeuerwerk der vergangenen Woche wurde durch eine positive Gewinnwarnung des größten Handyherstellers der Welt, durch Nokia aus Finnland, ausgelöst. Ein deutlich besserer Verkauf von Handys als zunächst erwartet, weiterhin hohe Gewinnspannen und vor allem die Aussage, die verschuldeten Telekom-Konzerne hätten nun endlich begonnen, ihre Netze weiter auszubauen, versetzte Börsianer in einen Kaufrausch: Die Nokia-Aktie stieg zwischenzeitlich um 16 % an einem einzigen Tag.

Und sie zog Ericsson mit, denn der schwedische Konkurrent ist bei Mobilfunknetzen die unangefochtene Nummer 1 auf der Welt. Wenn bei Nokia, die nur rund 20 % ihres Umsatzes mit Mobilfunknetzen machen, Licht am Ende des Netz-Tunnels zu sehen ist, profitiert Ericsson, bei denen die Netze für 80 % des Umsatzes stehen, umso mehr von einer Erholung. Die Telekom- Experten der US-Investmentbank Lehman Brothers rechnen in Europa in diesem Jahr mit einem Anstieg der Investitionen in Mobilfunknetze durch die Telekom-Konzerne von etwa 12 %, in den USA um 6 %, und in Asien gehen sie von einem unveränderten Investitionsvolumen aus.

Doch die Anleger sollten sich nicht zu früh freuen, denn das erwartete Wachstum ist bereits in den Kursen berücksichtigt. Das meinen auf jeden Fall angesehene Telekom-Analysten wie etwa Helena Nordman- Knutsson, die erst kürzlich von einer amerikanischen Ratingagentur zur besten Telekom-Analystin in Nordeuropa gekürt wurde. Sie spricht von „psychologischen Effekten", wenn die Kurse der Netzausrützer jetzt explodieren, sieht weniger grundlegende Bewertungsveränderungen. Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers teilt diese Auffassung und nennt 17 Kronen als Kursziel für Ericsson. Bei dem derzeitigen Stand von 15,70 Kronen ist da nicht mehr sonderlich viel Spiel nach oben. Und auch bei Nokia ist mit dem derzeitigen Kurs von 16,50 Euro das Kursziel von rund 18 Euro in Reichweite.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%