Analystenurteile
Eine einheitliche Sprachregelung muss her

Analysten gehören zu den meistgehassten Menschen der Finanzbranche. Dabei machen viele von ihnen einen vernünftigen Job. In kürzester Zeit müssen sie eine Unmenge an Daten verarbeiten - und auf drei Begriffe reduzieren: kaufen, halten und verkaufen. Warum selbst hinter diesen scheinbar klaren Worten völlig unterschiedliche Bedeutungen stecken können.

FRANKFURT. Was sind Analysteneinschätzungen schon wert, fragen viele Anleger in regelmäßigen Abständen. Lagen sie doch in den vergangenen Jahren mit ihren Empfehlungen mehr als einmal daneben. Seit der Finanzkrise hat sich ihr Ruf, oft viel zu spät auf elementare Marktentwicklungen zu reagieren, gar noch verfestigt.

Dennoch muss zur Ehrenrettung der Branche das öffentliche Bild gerade gerückt werden. Generell ist niemand an der Börse so nah an den Entwicklungen eines Unternehmens dran wie der Analyst. Auch ein Fondsmanager oder Vermögensverwalter, die die entsprechenden Aktien im Depot haben, wissen längst nicht so viel zu Einzelheiten in der Bilanz, zu Auftragseingängen, zu den Plänen des Managements oder zur Lage bei der Konkurrenz. Dazu fragen diese im Zweifelsfall die Analysten.

Aus dieser Unmenge an Informationen ein eindeutiges Bild zu zeichnen und dabei noch externe Faktoren wie die Weltkonjunktur oder den Einfluss der aufstrebenden Länder für das Unternehmen mit einfließen zu lassen, ist eine riesige Herausforderung. Das alles unter einem immensen zeitlichen Druck, wie die gerade ablaufende Bilanzsaison wieder einmal eindrucksvoll zur Schau gestellt hat. Zu Uhrzeiten, zu denen die meisten Berufstätigen gerade aufstehen, sitzen Analysten oft schon im Büro, um das Zahlenwerk der Unternehmen rechtzeitig zum Börsenstart um neun Uhr auszuwerten.

Die Probleme in der öffentlichen Wahrnehmung sind hausgemacht

Nun soll damit kein Mitleid geschürt werden, schließlich wird der Job in der Regel ganz vernünftig bezahlt. Das Kernproblem im Ansehen der Analysten in der Öffentlichkeit ist vielmehr, dass sie unter immer höherem Zeitdruck komplexeste Sachverhalte auf die drei Worte kaufen, halten und verkaufen reduzieren müssen.

Und genau hier liegt ein weiteres Problem. Was der eine kaufen, halten und verkaufen nennt, bezeichnet der Nächste mit übergewichten, gleichgewichten und untergewichten. Und beim Dritten steht hier outperform, neutral und underperform. Die Zeithorizonte für diese Einschätzung schwanken von Haus zu Haus zwischen drei Monaten und zwei Jahren. Und die Betrachtung ist beim einen relativ zu einem Vergleichswert oder Index, beim anderen ist das absolute Kurspotenzial gemeint.

Je nachdem, wie es gerade der Hausmeinung entspricht, verbirgt sich hinter den Bezeichnungen kaufen, halten und verkaufen eine völlig andere Bedeutung. Eine einheitliche Sprachregelung wäre zuallererst nötig, damit die Öffentlichkeit überhaupt versteht, was gemeint ist.

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