Angestrebte Reformen dürften der Konsumbranche und zyklischen Aktien helfen
Die Richtung stimmt

Wirtschaftsreformen in der Eurozone? In Deutschland und Frankreich haben sich die Regierungsparteien endlich zu Umwälzungen im Gesundheits-, Renten- und Steuersystem durchgerungen. Aktienmarkt-Beobachter sehen deshalb Licht am Ende des Tunnels. Zusammengenommen dürfte das Paket in Deutschland die Wirtschaft im größten Euroland um 1,1 % des Bruttoinlandsprodukts weiterbringen.

BRÜSSEL. In Frankreich hat sich die Regierung gegenüber den Streiks der Mitarbeiter im öffentlichen Bereich als resistent erwiesen. Präsident Jacques Chirac verpflichtete sich zu Steuersenkungen und stellte für den Haushaltsentwurf Anreize zur privaten Rentenvorsorge in Aussicht.

Besonders wichtig für Investoren ist die Steuerreform in Deutschland, meint Adrian Darley von Gartmore Investment Management in London. „Da wird in den kommenden zwölf Monaten besonders genau hingeschaut.“ Wie schon die Abschaffung der Kapitalgewinnsteuer in Deutschland den Aktienmarkt beflügelt hatte, so würden auch die geplanten Steuersenkungen den deutschen Aktien aufhelfen, prophezeit Darley. „Die Verbraucher werden mehr in der eigenen Tasche haben. Davon profitieren natürlich Firmen im Verbrauchssektor.“ Darley empfiehlt BMW, VW, Metro, Puma und Adidas-Salomon.

Die geplanten Strukturreformen dürfte die europäischen Aktienmärkte vor allem für amerikanische Investoren attraktiver machen, die allgemein dem Reformwillen der Europäer sehr skeptisch gegenüberständen, sagt Gary Dugan, Wertpapierstratege bei J.P. Morgan Private Bank in London. Wenn die Anleger überzeugt seien, dass die deutsche Regierung es mit den Reformen ernst meint, dann bleibe der deutsche Aktienmarkt attraktiv, auch wenn sich der Dax bereits um fast 60 % erholt hat, prophezeit Dugan.

Doch trotz der Hoffnungsschimmer sieht es in Deutschland und Frankreich nicht richtig rosig aus. Die Arbeitslosenzahl ist mit fast 11 % bzw. 9,5 % hoch. „Es gibt nur sehr wenige Neuinvestitionen“, sagt Robert Parker von Credit Suisse Asset Management in London.

„Die Regierungen in Deutschland und Frankreich kommen an Strukturreformen einfach nicht vorbei,“ urteilt Parker. Bei den geplanten Veränderungen werde es ganz darauf ankommen, „ob die Politiker sie auch durchziehen.“ Wenn sie erfolgreich sind und sich dadurch wieder ein Wirtschaftswachstum einstellt, dann profitieren nach Meinung Parkers Zykliker wie Siemens und die französischen Einzelhändler Carrefour and Pinault- Printemps-Redoute. Und wenn die Rentenreformen erfolgreich sind, dann würden Finanzdienstleister wie Allianz, Axa und BNP Paribas gut wegkommen.

Und was sagen die Skeptiker? Die angestrebten Reformen in beiden Ländern fielen nur wenig ins Gewicht, meint, Uri Landesman von Federated Investors in New York. „Die Währungsentwicklung und die Inlandsnachfrage sind für hochkapitalisierte Börsenwerte in diesen Ländern viel wichtiger.“ Und da sieht es düster aus. Der starke Euro beeinträchtigt die Wettbewerbsposition europäischer Unternehmen, und in Deutschland stagniert die Binnennachfrage seit fast drei Jahren.

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