Anglogold sucht nach Wegen aus der Rand-Stärke
Das Gold der Tundra

Auf der Suche nach frischem Gold zieht es Minenkonzerne in immer entlegenere Gebiete. Exploriert wird von den Anden über die Sahara bis zu den Regenwäldern von Papua Neuguinea. Zu den letzten, noch fast unerschlossenen Regionen zählt Sibirien, weil hier Investitionen durch das Engagement dubioser Lokalfürsten zumeist erhebliche Risiken bergen.

KAPSTADT. Dies hat den südafrikanischen Goldkonzern Anglogold-Ashanti zu einem ungewöhnlichen Schritt bewogen: Statt selbst in Tundra und Taiga auf Goldsuche zu gehen, hat der weltweit zweitgrößte Produzent des gelben Metalls knapp ein Drittel an der Explorationsfirma Trans-Siberian Gold erworben und finanziert mit rund 45 Millionen Euro die Erschließung zweier Minen. So wollen die Südafrikaner erste Erfahrung in Russland sammeln, ohne sich bei ihrem ersten Ausflug die Finger zu verbrennen.

Für Anglogold ist das Projekt ein vergleichsweise kleines. Erst Ende April war der Goldriese nach monatelanger Übernahmeschlacht mit der ghanaischen Ashanti fusioniert. Mit einer Gesamtproduktion von sieben Millionen Unzen produziert Anglogold nun fast so viel Gold wie der US-Marktführer Newmont. Gleichzeitig ist durch den Zusammenschluss ein panafrikanischer Konzern mit Minen in Südafrika, Ghana, Tansania, Mali, Namibia, Guinea und Simbabwe entstanden.

Für Konzernchef Bobby Godsell ergibt der Zusammenschluss wirtschaftlich wie politisch Sinn. Schließlich hat sein Unternehmen Erfahrung mit Arbeitskämpfen, wie sie bei Ashanti in Ghana an der Tagesordnung sind. Und auch bei Termingeschäften gilt Anglogold als Experte. Mit diesen sichern sich Produzenten noch nicht gefördertes Gold gegen stärkere Preisschwankungen des gelben Metalls ab (Hedging). Ashanti war 1999 mit Termingeschäften böse ins Straucheln geraten, als der Goldpreis plötzlich zum Höhenflug ansetzte. Damals wurde das Unternehmen von internationalen Banken gerettet, mit Hilfe des finanzstarken Partners soll Ashanti jetzt endgültig wieder auf die Beine kommen.

Auch nach den Zukäufen bleibt Südafrika wichtigster Einzelmarkt für Anglogold. Allerdings loben Experten unisono, dass der Konzern inzwischen rund 60 Prozent seines Goldes jenseits der Kaprepublik fördert. Denn auf dem Heimatmarkt sind die Minen des Konzerns inzwischen bis zu 4 000 Meter tief und stoßen wegen der damit verbundenen Kosten nun zum Teil an das Ende ihrer Lebensspanne. Dazu gesellt sich der starke Rand: Nachdem Südafrikas Förderer noch vor zwei Jahren zu den billigsten Goldproduzenten gehörten, haben sie angesichts der phänomenalen Wertsteigerung des Rands nun plötzlich die weltweit höchsten Förderkosten. Begründet liegt dies darin, dass ihre Abbau- und Lohnkosten in der Lokalwährung anfallen, während die Erlöse für das geförderte Gold in schwachen Dollar fließen.

Für Südafrikaner, heißt es in Expertenkreisen, bestehe die beste Strategie darin, sich in anderen Teilen Afrikas oder in Russland zu engagieren. Eine Übernahme von Goldförderern in Kanada oder Australien sei hingegen zu teuer. Anglogold ist also mit seinen Projekten auf dem richtigen Weg. Andererseits dürften angesichts eines Goldpreises, der um 400 Dollar stagniert, und der anhaltenden Stärke des Rands die Profite im gerade zu Ende gegangenen zweiten Quartal weiter gefallen sein. Zumindest Konzernchef Godsell kann dies nicht schrecken. Er vertraut darauf, dass die wirtschaftliche und politische Unsicherheit weltweit anhält und die Anleger weiter in Gold flüchten, weil sie es als sicheren Hafen betrachten.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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