Angloplat verspricht kaum Chancen
Probleme mit Platin

Als Ralph Havenstein im letzten Juli vom Petrochemiekonzern Sasol zum Platinriesen Anglo Platinum wechselte, suchte er nach eigenem Bekunden eine neue Herausforderung. Die hat er zweifellos gefunden: Angloplat hat massive Ertragsprobleme.

HB JOHANNESBURG. Entsprechend musste der neue Chef das ehrgeizige Expansionsprogramm des Unternehmen stark kürzen. Statt wie ursprünglich geplant bis 2006 rund 3,5 Millionen Unzen Platin und damit fast 40 % der Weltproduktion zu fördern, werden es höchstens 2,9 Millionen Unzen sein. Obwohl der Platinpreis kontinuierlich gestiegen ist und mit 880 $ pro Unze zeitweise seinen höchsten Stand in 24 Jahren erreichte, sind die Einnahmen der südafrikanischen Produzenten massiv eingebrochen. Nach einem Gewinnrückgang um fast 30 % im Jahr 2002 musste Angloplat letzte Woche einen noch größeren Einbruch des Reingewinns melden – diesmal um satte 64 % von 5,74 Mrd. auf 2,09 Mrd. Rand (254 Mill. Euro).

Eine Menge schlechter Nachrichten also für die Aktionäre des Platinherstellers. Wichtigste Ursache dafür ist das Erstarken des südafrikanischen Rands, der in den letzten beiden Jahren über 70 % gegenüber dem US-Dollar wettmachte. Davon haben zwar Anleger aus Ländern mit anderen Währungen profitiert. Aber die starke Währung hat die Platinproduzenten am Kap hart getroffen: Während ihre Lohn- und Abbaukosten in (festen) Rand anfallen, erhalten sie ihre Erlöse in (schwachen) Dollar. Kein Wunder, dass Angloplats Umsatz trotz leicht gestiegener Produktion von 20 Mrd. Rand im Jahr 2002 auf 16,5 Mrd. Rand in 2003 schrumpfte.

Ein anderes Problem ist indes hausgemacht: Als der Rand vor drei Jahren abstürzte und Angloplat bei einem Reingewinn von 8 Mrd. Rand märchenhafte Margen schrieb, liefen die Kosten in der Euphorie aus dem Ruder. Im letzten Jahr stiegen sie noch einmal um 20 % auf 12,1 Mrd. Rand und liegen damit deutlich über denen des Rivalen Impala.

Neue Aktien zum Vorzugspreis

Um sein Ausbauprogramm halbwegs zu retten, wird Angloplat seinen Anteilseignern neue Aktien im Wert von 4 Mrd. Rand zum Vorzugspreis offerieren. Die massive Kürzung der Pläne könnte den Platinpreis in immer neue Höhen katapultieren und damit das Ziel Angloplats durchkreuzen, den Markt kontinuierlich auszubauen. Gleichzeitig könnten die Verbraucher dadurch zum Umstieg auf Ersatzstoffe verleitet werden. Selbst eine Rückkehr der Industrie zu Palladium, das derzeit nur bei einem Viertel des Platinpreises liegt, wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen. Entsprechend tief sind die Sorgenfalten vieler Experten.

Kurzfristig schätzt Havenstein die Perspektiven des Konzerns vor dem Hintergrund des hohen Platinpreises und der steigenden Nachfrage, vor allem in China, für 2004 aber durchaus positiv ein. Auch eine Abschwächung des Rands könnte ihm helfen, denn der gilt inzwischen allgemein als überwertet.

Daneben wird die weitere Entwicklung der Aktie aber auch davon abhängen, ob Mutter Anglo American ihren inzwischen auf 74 % gestiegenen Anteil an der Platintochter weiter aufstockt oder sich tatsächlich, wie es am Markt heißt, mit einer Obergrenze von 75 % zufrieden gibt. Die von Anglo American unterschriebene Ausgabe neuer Aktien deutet eher auf ein noch stärkeres Engagement des Bergbauhauses hin. Ab einem Niveau von etwa 80 % dürfte die Liquidität der Angloplat-Aktie praktisch zum Erliegen kommt, weil kaum damit zu rechnen ist, dass viele institutionelle Anleger den Platinförderer einfach aus ihrem Portefeuille nehmen.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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