Anlagestrategie: Gold-Fundamentalisten können irren

Anlagestrategie
Gold-Fundamentalisten können irren

Echte Gold-Fans investieren allein in Barren und Münzen. Aber das kann ordentlich daneben gehen. Wie Anleger physisches Gold geschickt mit Edelmetall-Zertifikaten kombinieren - und worauf sie unbedingt achten sollten.
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Nur Barren und Münzen kommen Gold-Fundamentalisten in den Wertschrank oder ins Schließfach - Zertifikate und andere Derivate, mit denen Anleger ebenfalls von der Entwicklung des Krisenmetalls profitieren können, sind hingegen verpönt. Das hat einen guten Grund: Die meisten Edelmetalljünger setzen nicht nur als Inflationsschutz auf Gold, sondern auch als Absicherung gegen noch viel Bedrohlicheres: Bank- und Staatspleiten, Währungsschnitte oder gar den völligen Zusammenbruch des Finanzsystems.

Sollten derartige Horrorszenarien irgendwann Realität werden, dürften die Zahlungsversprechen einiger Geldhäuser nicht mehr allzu viel wert sein - und nichts anderes als solche Zahlungsversprechen sind Derivate und Zertifikate letztendlich. Bei den Gold-Wertpapieren handelt es sich um spezielle Bankanleihen, deren Rückzahlungsbetrag sich am Edelmetallpreis orientiert.

Geht die Emittentenbank pleite, nutzt dem Anleger auch das raffinierteste Zertifikat nichts, das beispielsweise Extragewinne in Aussicht stellt oder bestimmte Mindestrenditen - das Geld ist dann in der Regel unwiederbringlich verloren. Doch auch wer auf physisches Gold setzt, geht ein spezielles Risiko ein: Goldanhänger verdrängen gerne, dass keine mathematische Gesetzmäßigkeit existiert, wonach Inflations- und Krisengefahren unmittelbar und zwingend zu Preissprüngen führen müssen.

In anhaltenden Seitwärtsphasen am Goldmarkt bringen auch die schönsten Barren und Münzen keine messbare Rendite. Gerade wenn ein relativ hoher Anteil des Gesamtvermögens vermeintlich sicher - aber garantiert zins- und ausschüttungsfrei - in Form von Tresorgold gebunkert wird, ist Anlegerfrust programmiert. So wie derzeit: Momentan müssen Käufer für den Ein-Unzen-Krügerrand genauso viel auf den Schaltertresen legen wie vor etwa einem Jahr: Rund 1350 Euro.

Trotz weltweit gestiegener Teuerungsrisiken und obwohl sich die europäische Schuldenkrise weiter zugespitzt hat, ist der Wert des Metalls im Vergleich zum Vorjahresmonat nicht gestiegen - auf Dollarbasis sogar deutlich gesunken. Nicht wenige werden sich fragen, ob ihr Geld trotz Niedrigzinsen auf dem Festgeldkonto womöglich doch besser aufgehoben wäre. Doch es gibt Auswege aus dem Dilemma - zumindest für Anleger, die bereit sind, ein Stück vom „Nur Münzen und Barren“-Dogma abzuweichen: Die geschickte Kombination von physischem Gold und Edelmetall-Zertifikaten.

Die Strategie im Detail: Der Großteil des Gold-Vermögens wird auch weiterhin in physischer Form gehalten, eine kleinere Position aber in defensive Gold-Zertifikate umgeschichtet. Dieser Zertifikate-Anteil erwirtschaftet auch dann ein Plus, falls die Gold-Kurse weiter stagnieren. Und unterm Strich bietet die Gesamtrendite aus Tresor-Gold und Papier-Gold in solch einem Szenario eine Art Mindestzins auf Festgeldniveau.

Konkretes Beispiel: Mit speziellen „Discount-Zertifikaten“ lassen sich derzeit auf Jahressicht rund acht Prozent Ertrag erzielen, selbst wenn der Gold-Preis weiter stagniert. Diesen Renditekick gibt es natürlich nicht umsonst: Fällt der Gold-Preis, sinkt zwar auch die Rendite des Zertifikats proportional - doch bei anziehenden Notierungen bekommt der Investor nicht mehr.

Bei einer Aufteilung im Verhältnis von drei Vierteln physischem Gold zu einem Viertel Zertifikaten würde so eine Mehrrendite gegenüber einem reinen Gold-Depot von zwei Prozent erreicht, falls Gold nicht vom Fleck kommt.

Das Risiko im Vergleich zu einem reinen Münzen- und Barren-Investment ist vernachlässigbar: Geht der Zertifikate-Anbieter pleite, muss zwar der Papiergold-Anteil abgeschrieben werden. Aber: Bei einem Katastrophenszenario, in dem sich Bankenpleiten nicht abwenden lassen, dürften die Edelmetallpreise derart in die Höhe schnellen, dass die Gewinne des physischen Goldes den Zertifikate-Verlust überkompensieren.

Kommentare zu " Anlagestrategie: Gold-Fundamentalisten können irren"

Alle Kommentare
  • Da der Artikel wieder auf der Startseite erscheint:
    Na, hat jemand von denen die damals den Autor beschimpft haben Lust auf einen Faktencheck?

    Keine Angst, so schlimm wird es nicht. Einige Quanto-Zertis mit tiefen Cap haben natürlich den Goldpreis deutlich outperformt und liegen sogar absolut leicht im Plus. Aber zumindest ich finde keins das -wieder absolut- seit Ende August auf 8% p.a. kommen würde (allerdings hatte der Autor sich aber auf einen stagnierenden Goldpreis bezogen, er UND der Dollar sind aber gefallen).

    Sind eben Zertifikate, da sie von der Bank erstellt wurden ist auch klar zu wessen Gunsten. Machen wir uns nichts vor, Zertis taugen nicht zur Anlage an sich und sind teuer und riskant, die Anpreisung manchmal interessengesteuert. Dennoch setze ich für bestimmte Fälle immernoch manchmal welche ein und es klappt - immernoch - öfter.

    Und nochwas, was genau ist eigentlich verrückter:
    Das Überleben des bisherigen Systems mit stagnierendem Goldpreis wenigstens als Szenario für ein Jahr in Betracht zu ziehen und mich dementsprechend aufstellen und trotzdem für den Fall der Fälle gerüstet sein. Und haargenau das war der Vorschlag, oder von mir aus: die Werbung im Artikel.
    oder:
    Generell jede andere Meinung als Enteignungskomplott abtun das Banken, Staat und Medien gleichzeitig gestartet haben, und mit Goldblechen (so es echtes ist), zur Tarnung "gewalzt und lackiert" in die Schweiz zu fahren.

    Euch bringt sowas nie ins Grübeln und ihr behauptet was?
    Keine Fundamentalisten zu sein?

  • @ danke_dir
    Diesen Aufsatz wollte ich schon lange lesen. Danke dir für den Link :-))

  • Doch, die Augenwischertaktik funzt. Nicht bei Ihnen oder mir oder hier bei der kleinen Minderheit der Foristen.

    Aber die Mehrheit einer Hammelherde läuft grundsätzlich hinter dem Leithammel her.
    Die Mainstream-Medien verbreiten nun mal Propaganda der Regierung und der Bankster, und selbstverständlich wird die geglaubt. Warum sonst wohl wäre die Merkel die beliebteste Politikerin und der Schäuble fast ebenso?

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