Anleger drohen Aktienaufschwung zu verpassen
Zyklische Falle

Die Aktienkurse steigen seit einigen Wochen wieder, private Anleger bestreiken aber Dividendentitel wie auch Aktienfonds weiter.

FRANKFURT/M. Während professionelle Investoren offenbar wieder stärker auf die Chancen von Aktien setzen und günstige Einstiegskurse nutzen wollen, haben Private hingegen das Sparbuch neu entdeckt, wie Umfragen zum Anlegerklima zeigen.

Dabei ist der Zeitpunkt für eine Annäherung an den Aktienmarkt günstig. Zwar bleibt die Unsicherheit an den Kapitalmärkten im Vorfeld der US-Wahlen, auf Grund von Terrorängsten und wegen des nur leicht gesunkenen Ölpreises bestehen. Aber Aktienstrategen in Banken zeigen sich überrascht von steigenden Gewinnprognosen europäischer Firmen für dieses und das nächste Jahr. Auch die jüngsten Konjunkturzahlen aus Europa und Übersee machen wieder etwas Mut. Für europäische Aktien spricht derzeit außerdem, dass sie billig sind. Dies gilt im besonderen für viele deutsche Titel. So weisen Strategen der DZ Bank auf die niedrige Bewertung der Aktien im Standardwerte-Barometer Dax hin: Das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt nach ihren Berechnungen mit gut elf um fast 30 Prozent unter dem historischen Durchschnitt, und dieser Durchschnittswert sei in vergleichbaren Aufschwungphasen deutlich übertroffen worden.

Wenn die Aktienkurse nun tatsächlich zu einer Jahresendrally ansetzen sollten, private Anleger aber ihren Streik fortsetzen, droht ihnen einmal mehr eine zyklische Falle: „Private kaufen lieber, wenn der Dax schon um 1 000 Punkte gestiegen ist“, beschreibt Harald Norbisrath, Leiter Vertrieb Private Kunden bei der Frankfurter Sparkasse das typische Verhalten vieler privater Investoren, Börsentrends erst mit großer Verzögerung zu folgen.

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