Anleger hoffen auf den „Januar-Effekt“ - zu Recht?
Prosit Neujahr!

Was für ein Start in das neue Jahr. Kaum hat sich der Kater von der Silvesterparty verzogen, knallen an der Börse schon wieder die Sektkorken. Bereits in den ersten Handelsminuten legt der Deutsche Aktienindex (Dax) kräftig zu und knackt die 4000-Punkte-Hürde.

HB DÜSSELDORF. So begann vor fast zwölf Monaten in Frankfurt das Börsenjahr 2004. Und auch wenn in den ersten Tagen des nun kommenden Jahres keine psychologisch wichtige Marke in Reichweite ist, hoffen viele Anleger auf den so genannten „Januar-Effekt“ und damit auf Kursgewinne. Denn der erste Monat des Jahres ist an der Börse der beste, besagt eine alte Börsenregel. Doch Vorsicht: Ausnahmen bestätigen nun mal jede Regel.

Dass der Januar zumindest historisch zu den besten Zeiten für Anleger zählt, ist unbestritten. Über 2,5 Prozent hat der Dax in den vergangenen 39 Jahren im Januar durchschnittlich zugelegt, haben die Analysten der Landesbank RheinlandPfalz kürzlich berechnet. Zumindest in Deutschland kann kein anderer Monat damit mithalten.

Dieses Phänomen ist eigentlich leicht zu begründen. Um Steuern zu sparen, trennen sich Anleger schon seit Jahrezehnten, kurz bevor die Händler über Weihnachten die Stadt verlassen, von ihren verlustreichen Aktien. Die Verluste können dann mit den Gewinnen verrechnet werden, die Steuerlast sinkt. Damit wird jedoch auch Kapital frei, das im neuen Jahr wieder investiert werden muss und somit die Kurse (oft sogar der Papiere, die zuvor verkauft wurden) in der sonst eher handelsarmen Zeit ordentlich anheizt.

Unterstützt wird dieser Effekt von vielen Fondsmanager. Die Portfoliolenker schließen im alten Jahr rechtzeitig vor dem Urlaub ihre Bücher. Fließt dem Fonds in der Zwischenzeit neues Geld zu, muss auch dieses nach Neujahr an der Börse platziert werden.

Allerdings hat bereits Donald Kiem, der 1980 als erster wirtschaftswissenschaftlicher Forscher den „Januar-Effekt“ belegte, schon damals angesichts der steigenden Zahl an Anlagemöglichkeiten die abnehmende Bedeutung erwähnt.

Trotzdem zeigte sich der „Januar-Effekt“ in den vergangenen Jahren oftmals stark wie eh und je. Denn er hat sich mittlerweile zum Selbstläufer entwickelt. Viele Anleger kalkulieren mit den steigenden Kursen zum Jahreswechsel und erhöhen daher ihre Aktienquote. Im Klartext heißt das: Die Anleger kaufen Aktien und liefern so selbst den Treibstoff für die Kursgewinne. Daher zeigt sich mittlerweile sogar bei Standardwerten der „Januar-Effekt“, obwohl dieser ursprünglich vor allem bei Nebenwerten auftrat.

Auch im kommenden Jahr stehen die Chancen auf einen fulminanten Start also nicht schlecht, könnte man meinen. Findige Analysten haben daher auch schon zumindest in den USA ihre diesjährigen Favoriten ausgemacht. Sie rechnen vor allem bei der Aktie von American Italian Pizza, dem größten Nudelhersteller des Landes, dem Papier des Technologiekonzerns 3Com sowie bei einigen Pharmawerten mit ordentlichen Kursgewinnen.

Nur eines könnte den Börsianern in wenigen Tagen die Party noch vermiesen. Die Kursgewinne im Januar 2004, in denen Dax und Dow Jones fast drei Prozent zulegten, wurden von einer positiven Stimmung an der Börse getragen. Allein der Dax hatte in den Monaten zuvor gut 1500 Punkte gewonnen.

In diesem Jahr fällt die Börsenbilanz – Dax und Dow Jones liegen nur leicht im Plus – vergleichsweise mager aus. Da viele Anleger kaum Gewinne erzielten, müssen sie auch keine Verluste realisieren. Zudem ist die Stimmung am Parkett eher verhalten. Noch immer belasten der hohe Ölpreis und die Stärke des Euros die Kurse. Zum Selbstläufer wird der „Januar-Effekt“ in diesem Jahr daher wohl kaum.

Aber von derart schlechten Vorzeichen wollen viele Optimisten natürlich nichts hören und stellen lieber den Schampus kalt. Und zumindest manchmal versetzt ja allein der Glaube Berge.

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