Anleger ignorieren, dass Aktien so günstig sind wie seit 20 Jahren nicht mehr
„Die Pferde saufen nicht“

Anleger sollten jetzt zugreifen. Mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von kaum mehr als elf sind Dax-Werte so günstig wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Doch die „Pferde saufen nicht“, klagte in diesen Tagen ein Vermögensverwalter. Sprich: Die Anleger sind im Käuferstreik.

DÜSSELDORF. Die Situation erinnert an den Aktienmarkt nach dem IOS-Skandal Ende der 60er-Jahre. Damals schaffte es der Student Bernie Cornfeld, in großem Stil Fondsanteile seiner neu gegründeten Firma „Investor’s Overseas Services“ in den USA, in Kanada und vor allem auch in Europa unter das Volk zu verteilen. Er baute über ein Schneeballsystem ein Imperium auf, das mehr als 100 Vertriebsleute zu Millionären machte und ein Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar verwaltete. Verwaltete, indem Cornfeld und seine Mannen Provisionen von 20 Prozent kassierten und gegen Ende in immer riskantere Junk Bonds investierten, um magere bis gar nicht existierende Renditen zu kaschieren. Das Motto „Do you sincerely want to be rich“ – wollen Sie wirklich reich werden – hatte die Massen überzeugt. Es waren die Anfangszeiten offener Investmentfonds.

Das Ganze flog 1971 auf, und es dauerte bis Anfang der 90er-Jahre, bis Fonds endlich wieder breites Interesse fanden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis stand auch 1974 bei elf. Trotzdem interessierte sich kaum jemand für die günstigen Aktien. Das teure Öl und hohe Zinsen hielten Anleger obendrein fern.

Auch jetzt sind Aktien wieder so günstig wie damals. In Deutschland, wo die Aktienkultur noch jung ist, haben Anleger fast vollständig das Interesse an Dividendentiteln verloren. Der Dax hat seit seinem Höhepunkt im Jahr 2000 nahezu 50 Prozent abgegeben. Der US-Index Dow Jones dagegen nur rund zehn Prozent. Erstmals seit 1986 verzeichnen Aktienfonds in diesem Jahr einen Nettoabfluss von Mitteln.

Doch es gibt keinen Grund, vor Aktien Angst zu haben. Es ist vielmehr an der Zeit, günstige Titel ins Portfolio zu nehmen. Etwa mit Versicherungstiteln wie Allianz oder Münchner Rück, deren KGV sich derzeit um die zehn bewegt, kann man kaum etwas falsch machen. Langfristige Anleger könnten auf Pharmatitel wie Altana oder den Arzneimittelvertrieb Celesio setzen. Denn so schlecht sind Aktien gar nicht – wenn es die richtigen sind!

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