Anleger sollten Lateinamerika-Engagements abstoßen
Die Luft ist raus

Raus aus Lateinamerika – diesem Rat sollten Investoren folgen, die Aktien oder Fonds der Region im Depot haben. Es gilt, Gewinne zu realisieren, bevor es zu spät ist. Denn wer darauf hofft, dass sich die großen Indexgewinne der Börsen der vergangenen zwei Jahre in den nächsten zwölf Monaten wiederholen, der wird enttäuscht werden.

HB SAO PAULO. Der Aufschwung in Lateinamerika verliert an Dynamik. Ein Indiz: Seit einem Monat haben mit Ausnahme von Chile alle großen Börsen der Region ihre diesjährigen Kurszuwächse wieder eingebüßt. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Indizes weiter sinken werden.

Das hat zunächst wirtschaftliche Gründe. Die tendenziell steigenden Zinsen in den USA haben die Finanzierungskosten für Staaten und Unternehmen in Lateinamerika deutlich erhöht. Kapital wird knapper und verringert Investitionen wie auch den Konsum. Das bremst die Konjunktur. Gleichzeitig werden die Rohstoffpreise voraussichtlich nicht weiter steigen. Dies war in den vergangenen zwei Jahren noch der Fall. Zum Teil werden sie sogar sinken, wie bereits jetzt bei einigen wichtigen Agrarrohstoffen zu beobachten ist. Für Lateinamerika bedeutet das weniger Wachstum, denn die Konjunktur dieser Region wird maßgeblich von Notierungen und der Nachfrage nach Rohstoffen gesteuert. Auch wenn die Rohstoffpreise im besten Fall auf hohem Niveau verharren – dies wäre kein Zuwachs mehr und würde daher nicht ausreichen, um den Börsen Auftrieb zu verleihen.

Außerdem droht Lateinamerika politisch schweres Fahrwasser: In 17 Staaten der Region wird bis Ende nächsten Jahres ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Darunter in so wichtigen Ländern wie Brasilien und Mexiko, aber auch in Chile, Peru, Kolumbien, Venezuela. Diese Regierungen werden in den nächsten 20 Monaten immer weniger in der Lage sein, etwas zur Verbesserung des Börsenklimas zu tun. Wahlkampfzeiten in den Staaten Lateinamerikas begleiten die Börsen erfahrungsgemäß mit starken Kursschwankungen. Zudem tendieren die Notierungen eher schwächer. Denn im Wahlkampf treten die Regierungen aus Sicht der Kapitalmärkte politisch auf der Stelle.

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