Anleihen aus Südeuropa
Längst kein Schnäppchen mehr

Unternehmen aus Südeuropa hatten zeitweise für Anleihen 5,6 Prozent Rendite gezahlt. Verlockend für Anleger, Analysten empfahlen die Bonds. Das hat sich niedergeschlagen: Inzwischen ist der Wert gesunken.
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Der Fluch der Heimat hatte die Unternehmen aus Südeuropa lange im Griff. Noch Ende November mussten Firmen aus Spanien, Italien und Portugal vor allem wegen ihrer Herkunft für Anleihen mit einer Laufzeit von im Schnitt fünf Jahren 5,6 Prozent Rendite bieten – 2,4 Prozentpunkte mehr als die Unternehmen aus den anderen europäischen Staaten.

Zu viel, meinten damals viele Analysten und empfahlen die Bonds zum Kauf. Gefolgt sind ihnen offensichtlich viele Investoren, denn die Kurse sind gestiegen, und inzwischen rentieren die Anleihen die Firmen aus den Südländern nach Daten der Bank of America Merrill Lynch im Schnitt mit nur noch 3,8 Prozent. Damit bieten sie nur noch 1,4 Prozentpunkte mehr als die Unternehmen aus zum Beispiel Deutschland, Frankreich oder den Niederlanden.

Weiter dürften die Risikoprämien aber zunächst nicht mehr sinken. Getrieben wurde die Rally schließlich vor allem durch die Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie pumpte seit Dezember über Dreijahreskredite für die Banken rund eine Billion Dollar in das Finanzsystem. Dieses Geld floss zum Teil auch in die Staatsanleihen aus Spanien und Italien. Das ließ deren Renditen kräftig sinken, und das drückte auch die Renditen der Firmenbonds.

Zuletzt haben aber Banken wie BNP Paribas, Morgan Stanley oder die DZ Bank den Investoren geraten, die Anleihen der Firmen aus Südeuropa nicht mehr im Bondportfolio überzugewichten. Sie sind angesichts der Risiken kein Schnäppchen mehr. So dürften die Telekomunternehmen wie Telefónica und Telecom Italia darunter leiden, dass die Wirtschaftskrise der Südländer den Absatz mit Smartphones und entsprechenden Mobilfunkverträgen hemmen wird. Im Versorgerbereich sind die sinkenden Strom- und Gaspreise ein Problem für Versorger wie Enel, Iberdrola und Electricité de Portugal (EDP).

Dabei macht Anlegern nach wie vor das strukturschwache Portugal die größten Sorgen. Doch auch bei Spanien mehren sich die Ängste. Der Grund: Die Regierung in Madrid wird in diesem Jahr mehr Schulden machen als zunächst angekündigt. Dazu kommt die vergleichsweise hohe Verschuldung der spanischen Haushalte. Ein kleines Trostpflaster mit Blick auf die größten Unternehmen am Anleihemarkt ist da nur, dass Telefónica und Iberdrola weniger als die Hälfte ihrer Umsätze in Spanien machen.

Trotzdem gilt: Die Krise um die Euro-Schuldenländer ist noch nicht vorbei. Rückschläge und Schwankungen wird es weiter geben und damit auch Risiken für die Anleihen der Unternehmen aus den europäischen Südländern.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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