Anleihen
Die Filetstücke sind schon weg

Die Investoren sollen jetzt besser Unternehmensanleihen kaufen, raten ihnen Vermögensverwalter. Die Anlageklasse erfährt immerhin seit Jahresanfang einen Renditeschub. Die Unternehmensanleihen sind allerdings schon viel zu gut gelaufen. Die Schuldscheine mit bester Qualität sind teuer wie nie.
  • 0

FRANKFURT. Zahlreiche Börsenexperten geben derzeit ihre Prognosen für das Jahr 2010 ab. Die Skeptiker unter ihnen warnen: Der Aktienmarkt hat so gut wie kein Potenzial mehr, das weltweite Wirtschaftswachstum ist für ein großes Kursplus zu schwach. Nur die expansive Geldpolitik der Notenbanken hält die Börsen oben. Sobald die Zinsen aber wieder steigen und damit dem Markt Liquidität entzogen wird, werden die Aktienkurse automatisch fallen.

Die Investoren sollen jetzt besser Unternehmensanleihen kaufen, raten ihnen Vermögensverwalter. Die Anlageklasse erfährt immerhin seit Jahresanfang einen Renditeschub. Der Umschwung auf dem Anleihemarkt 2009 kam zwar unerwartet, dafür umso heftiger. Nach zahlreichen Rating-Herabstufungen im Jahr 2008 stiegen die Festverzinslichen auf wie ein Phönix aus der Asche. Das Risiko von Kreditausfällen scheint vorerst keine Rolle zu spielen.

Die Unternehmensanleihen sind allerdings schon viel zu gut gelaufen. Die Schuldscheine mit bester Qualität sind teuer wie nie. Und das drückt auf die Rendite. Das Filetstück am Anleihemarkt ist weg, es ist nur noch etwas Fleisch am Knochen übrig, sagte kürzlich Asoka Wöhrmann, Rentenstratege bei der DWS. Auch er wurde von den vielen hochverzinslichen Neuemissionen überrascht. Wir wählen die zweitbeste Lösung, die erstbeste kennt sowieso keiner, fügte der DWS-Chefstratege Klaus Kaldemorgen hinzu. Nach Angaben der Experten lohnen sich nur noch ausgesuchte hochverzinsliche Anleihen von Unternehmen mit zweitklassiger Bonität zum Kauf. Anleihe-Picking ist angesagt.

Selbst von den in Krisenzeiten so beliebten Staatsanleihen können die Investoren nicht mehr viel Rendite erwarten. Die Zinsen von kurz- und langfristigen Papieren liegen nahe Null. Die Zinsstruktur der Schuldscheine ist ebenfalls am Boden, - flacher geht es nicht mehr. Noch trifft das große Angebot vieler Länder auf eine ausreichend starke Nachfrage. Aber auch die versiegt spätestens dann, wenn die Inflation die weltweiten Finanzmärkte einholt. Für welche Art von Wertpapieren sich die Investoren auch entscheiden, sie müssen sich wohl mit den Titeln zweiter Klasse zufrieden geben.

Nur der Euro ist erste Wahl

Renditechancen erster Klasse bieten ihnen höchstens noch die Devisenmärkte. Der US-Dollar notiert zwar zu fast allen Weltwährungen auf einem Allzeittief. Seine Rolle als internationale Tauschwährung schwindet zusehends. Die Zentralbanken trennen sich von ihren großen Dollar-Reserven. Und selbst die Chinesen gehen Dollar-Short: Sie verkaufen die US-Währung und schichten ihr Devisendepot um. Sie kaufen unter anderem den Euro. Die Gemeinschaftswährung ist so wertvoll wie nie. Und sie sollte auch künftig über ein erstklassiges Potential verfügen.

Kommentare zu " Anleihen: Die Filetstücke sind schon weg"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%