Anleihen in Fremdwährungen für Privatanleger: Not macht erfinderisch

Anleihen in Fremdwährungen für Privatanleger
Not macht erfinderisch

FRANKFURT. Geld in festverzinsliche Wertpapiere zu stecken macht keinen Spaß mehr. Sichere Bundesanleihen bieten bei einer Laufzeit von zehn Jahren gerade mal um die 3,50 Prozent Rendite, und für Unternehmens- oder Schwellenländer-Risiken gibt es nicht viel mehr. Firmenbonds guter Bonität bringen um die 0,6 Prozentpunkte mehr Rendite als Bundesbonds; wer Schwellenländern über Zinspapiere Kredit gibt, bekommt dafür mickrige Aufschläge von im Schnitt 0,7 Prozentpunkten.

Professionelle Anleger weichen deshalb schon länger zunehmend auf Anleihen in anderen Währungen aus, um ihr Rentenportfolio renditemäßig aufzupeppen. Und die Not angesichts der mageren Renditen von Euro-Anleihen macht auch Banken und Börsen erfinderisch, wenn es darum geht, Privatanlegern den Direktkauf von Anleihen doch noch schmackhaft zu machen. Offensichtlich mit Erfolg. Anleihen von Emittenten mit Top-Bonität wie der KfW Bankengruppe oder der Europäischen Investitionsbank (EIB) in türkischen Lira, isländischen Kronen oder mexikanischen Peso sind an der Frankfurter Börse dem Vernehmen nach der Renner. Auch andere Börsen, Online-Broker und Banken machen Privatanlegern die Fremdwährungsbonds direkt zugänglich.

Der Reiz der Papiere liegt in den hohen Renditen. Zweijährige Anleihen von KfW und EIB werfen aktuell 11,7 und knapp elf Prozent Rendite ab. In den vergangenen zwölf Monaten hat zudem die türkische Lira gebenüber dem Euro kräftig zugelegt, so dass Anleger neben dem Kupon auch noch Währungsgewinne verbuchen können. Das ist allerdings auch die Crux. Wechselkurse sind generell sehr schwer vorauszusehen, und deshalb können Währungsverluste die Renditen empfindlich schmälern.

Die Frankfurter Börse bietet seit diesem Jahr Privatanlegern zusätzlich Dollar-Anleihen von Unternehmen aus Schwellenländern zum Direktkauf an. Die Unternehmen kommen meist aus den Branchen Rohstoffgewinnung und -vertrieb, Finanzen und Telekommunikation. Der mexikanische Gasproduzent Pemex zum Beispiel bietet für eine zweijährige Laufzeit eine Rendite von 5,6 Prozent und damit einen halben Prozentpunkt mehr als eine mexikanische Dollar-Anleihe. Das Rating des Unternehmens im Bereich Dreifach-B für noch solide Schuldner ist vergleichbar mit dem von Mexiko selbst. Allerdings können Firmen prinzipiell leichter Konkurs anmelden als Staaten, so dass abzuwägen ist, ob der Renditeaufschlag das zusätzliche Risiko lohnt. Zudem besteht auch hier die Gefahr, dass der Dollar zum Euro abwertet.

Fazit: Auch wenn Privatanleger inzwischen leichter an exotische Anleihen kommen, bleibt die Bewertung der Risiken schwierig. Die Strategie Kaufen und bis zur Fälligkeit Halten zieht bei Fremdwährungsbonds nicht. Anleger müssen die Wechselkurse im Auge behalten und gegebenenfalls schnell verkaufen.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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